LADESTATION IN DER TIEFGARAGE: RISIKO BRANDSCHUTZ? (Aktuali­sierter Beitrag)

Lange wurde die Installation von Ladestationen für Elektroautos in Tiefgaragen von Feuerwehren kritisch gesehen. In einigen Fällen, wie beispielsweise im September 2020 in Kulmbach, werden sogar Verbote für E-Fahrzeuge in Tiefgaragen ausgesprochen. In Kulmbach wurde dieses mittlerweile aber wieder zurückgezogen. Die Feuerwehr hat entsprechende Ausrüstung beschafft, die im Brandfall die Gefahr eindämmen soll. Es sei außerdem nur eine vorrübergehende Maßnahme gewesen, bis man entsprechende Ausrüstung, wie passende Löschdecken, beschafft habe.

Ist die Gefahr durch E-Autos in Tiefgaragen also wirklich höher? Diese Themen lesen Sie in unserem Artikel:

WIE GEFÄHRLICH SIND E-AUTOS IN TIEFGARAGEN WIRKLICH?

Die Angst vor unkontrolliert brennenden E-Fahrzeugen, insbesondere in Tiefgaragen, ist dennoch weitverbreitet. Doch ist sie auch berechtigt?

Wir haben Ihnen die wichtigsten Argumente zusammengefasst, die Ihnen die Angst vor einem eventuellen Brand von E-Fahrzeugen, im Speziellen in Tiefgaragen, nehmen:

  • Egal, um welche Antriebsform es sich handelt: es gelten immer hohe gesetzliche Anforderungen an alle Autos, die das Höchstmaß an Sicherheit für Autofahrer garantieren sollen, um überhaupt eine Zulassung zu bekommen.
  • Laut der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren und des Deutschen Feuerwehrverbandes unterscheiden sich Elektroautos hinsichtlich der Gefährdungsbeurteilung nicht von Verbrennerfahrzeugen.
  • Auch das Löschen von Lithium-Ionen-Akkus im Fall eines tatsächlichen Brandes wurde hinlänglich optimiert. Entweder werden sie mit viel Löschwasser kontrolliert runtergekühlt oder in einem Wassercontainer versenkt. Allerdings braucht es eine enorme Hitzeentwicklung über einen langen Zeitraum, bevor die Batterien überhaupt Feuer fangen.
  • Der Ladevorgang an sich stellt keine Gefahr dar. Für die professionelle Installation und das Laden von Elektrofahrzeugen in Tiefgaragen sind somit keine besonderen Brandschutzvorschriften zu beachten. Das macht die Errichtung von Ladestationen in Tiefgaragen vergleichsweise einfach.

Wir zeigen Ihnen, worauf Sie achten müssen.

KEINE SONDERREGELN FÜR ELEKTROAUTOS BEIM BRANDSCHUTZ

Die sicherheitstechnischen Anforderungen von Elektrofahrzeugen sind seit 2015 EU-weit nach UNECE NR 100 geregelt. Der Deutsche Feuerwehrverband hielt in seiner „Risikoeinschätzung Lithium-Ionenspeichermedien“ von 2018 fest: „Von zertifizierten Elektrofahrzeugen gehen weitestgehend vergleichbare Gefahren aus, wie von Fahrzeugen mit anderen Antriebsarten. … Zertifizierte Ladeeinrichtungen auf Einstellplätzen in Garagen können aus heutiger Sicht in Tiefgaragen als notwendige Bestandteile des Betriebs und Abstellen von Fahrzeugen akzeptiert werden.“ Somit gelten keine besonderen Brandschutzvorschriften beim Laden von Elektrofahrzeugen.

LADESTATIONEN GEHÖREN ZUR TECHNISCHEN GEBÄUDE­AUSRÜSTUNG

Für Fuhrparkbetreiber gilt daher, dass Ladestationen in Tiefgaragen und das Aufladen von Elektrofahrzeugen keine Nutzungsänderung der Anlage darstellen. Anders als Zapfsäulen für Kraftstoffe sind Ladestationen somit nicht erlaubnispflichtig. Sie werden als Teil der Leitungsanlage betrachtet und sind somit Bestandteil der technischen Gebäudeausrüstung. Für den Brandschutz müssen die Regeln der jeweiligen Landesbauordnung sowie der Leitungsanlagen-Richtlinie eingehalten werden.

Grundsätzlich ist damit die Errichtung von Leitungsanlagen in Tiefgaragen zulässig. Sie werden wie Steckdosen und elektrische Verteiler behandelt. Zu beachten sind insbesondere die Vorgaben zur Zulässigkeit von Leitungsanlagen in Rettungswegen sowie die Leitungsführung. Der Gebäudeeigentümer sollte sich daher mit der Garagenverordnung des jeweiligen Bundeslandes vertraut machen. Zudem ist es ratsam, ergänzend zum Brandschutzkonzept eine Gefährdungsbeurteilung durchführen zu lassen.

Eine für Tiefgaragen besonders geeignete Installationsart für Ladetechnik stellt die Verwendung von Stromschienen dar. Durch diese kann die Installation von Ladetechnik ohne die Einbringung hoher zusätzlicher Brandlasten (z.B. durch Kabelisolierungen etc.) ermöglicht werden. Für detaillierte Informationen, empfehlen wir Ihnen unseren ausführlichen Artikel zum Thema Ladetechnik in Tiefgaragen.

Ladestation für Elektroauto in Tiefgarage

Die richtige Dimensionierung beachten

Entscheidet sich der Tiefgaragen-Eigentümer für den Einbau von Ladestationen, sollte er die weiteren Überlegungen immer einem Elektroplaner überlassen. Der prüft im Einzelfall die ortsspezifischen Vorgaben und kann die Mindestanforderungen richtig abschätzen. Das betrifft zum Beispiel den Fehlerstromschutz.

Wann Sie den Netzbetreiber mit ins Boot holen sollten

Auch wenn Elektrofahrzeuge in der Tiefgarage samt Ladeinfrastruktur keine erhöhte Brandgefahr darstellen, gilt es dennoch, ein paar Dinge beim Neubau einer Tiefgarage mit Ladesäulen oder bei einer Nachrüstung zu beachten. So sollten von Anfang an alle Beteiligten an Bord geholt werden – Eigentümer, Hausverwalter, Versicherer und Elektroplaner. Damit gehen Sie auf Nummer sicher, wenn es darum geht, eventuelle Vorbehalte aus der Welt zu schaffen und allen Ansprüchen und Regelungen gerecht zu werden. Zusätzlich ist es zwingend notwendig, bei der Planung und Installation von Ladetechnik Ihren Verteilnetzbetreiber einzubeziehen. Insbesondere bei der Bewertung des Gleichzeitigkeitsfaktors, der berücksichtigt, wie viele Elektroautos parallel laden. Bei Fragen rund ums Lastmanagement und vielen anderen Themen ist der Netzbetreiber der richtige Ansprechpartner. Empfehlungen, wie Sie beispielsweise am besten in der Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses vorgehen, können Sie unserem Artikel „Ladestationen im Mehrfamilienhaus“ nachlesen.

Steht die benötigte zusätzliche Leistung für Ladeeinrichtungen fest, muss diese gem. §19 der Niederspannungsanschluss­verordnung dem Netzbetreiber gemeldet werden. Sollen Ladeeinrichtungen mit mehr als 12 kVA installiert werden, muss sogar dessen Genehmigung vor der Installation abgewartet werden.

Dieses Vorgehen ist wichtig, damit die Anmeldung der Anlage an den Netzanschluss abgesichert ist und künftige Netzbelastungen im Vorfeld erkannt werden können.

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FAZIT: LADESTATIONEN IN TIEFGARAGEN SIND KEIN PROBLEM FÜR DEN BRANDSCHUTZ

Mit der Einrichtung von Ladestationen bieten die Eigentümer von Tiefgaragen ihren Nutzern einen modernen Service. Genehmigungen und spezielle Brandschutzvorkehrungen sind häufig nicht notwendig. Allein die Vorgaben der jeweiligen Landesbauordnung und der Leitungsanlagen-Richtlinie gilt es einzuhalten. Eine kompetente Beratung sollten Sie dennoch in Anspruch nehmen. Wir begleiten Sie bei Ihrem Vorhaben und unterstützen Sie bei der Installation einer Ladestation in Ihrer Tiefgarage. Fragen Sie einfach bei frag@umschalten.de an.

Bloggrafik Tiefgarage

Sollten Sie als kleines oder mittelständisches Unternehmen in Sachsen Interesse an der Förderung von E-Autos und von Ladestationen haben, finden Sie in unserer Checkliste zur Elektroauto-Förderung eine praktische Hilfe zum Ausdrucken. In unserem umfangreichen Whitepaper, das Sie kostenfrei herunterladen können, finden Sie auch zahlreiche Informationen zur Ladeinfrastruktur und zu Best Practices aus Sachsen. Sie haben Fragen oder eine Themenidee? Dann schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an frag@umschalten.de.