Lade­stationen im Mehr­familien­haus: Das sollten Mieter und Eigen­tümer wissen

Ein eigenes Elektroauto? Immer mehr Deutsche entscheiden sich, auch wegen attraktiver Förderungen, für ein Elektroauto. Doch auch wenn sich die Ladeinfrastruktur in den letzten Jahren verbessert hat, sind die Wege bis zur nächsten Ladesäule für Mieter und Eigentümer eines Mehrfamilienhauses oft noch weit. Damit Elektroautos kein Luxus für Eigenheimbesitzer bleiben, plant der Gesetzgeber die Voraussetzungen zu ändern. Neben den anstehenden gesetzlichen Neuerungen erklären wir im Blog, wie sich Eigentümer und Vermieter bereits jetzt auf die steigende Nachfrage nach Elektroautos und Ladestationen einrichten können.

Entwicklung der Ladestationen

Neben dem Einfluss der Corona-Krise sieht man auch eine positive Entwicklung bei den Elektro- und Hybridautos. Quelle: Kraftfahrtbundesamt.

Vor der Ladestation im Mehrfamilienhaus stehen Leitungs- und Ladeinfrastruktur

Bereits im März hat das Bundeskabinett das Gebäude-Elektromobilitäts-Infrastruktur-Gesetz (GEIG) beschlossen. Mit diesem werden Eigentümer verpflichtet, bei Neubau oder einer größeren Renovierung von Wohn- und Nicht-Wohngebäuden mit mehr als 10 Stellplätzen für die nötige Leitungsinfrastruktur zu sorgen. Bei Wohngebäuden bedeutet das, dass jeder Stellplatz mit den nötigen Leerrohren zur Verlegung von Strom- und Datenkabeln für die Installation eines Ladepunkts ausgestattet sein muss. Bei Nicht-Wohngebäuden gilt das für jeden fünften Stellplatz, zusätzlich muss hier mindestens ein Ladepunkt errichtet werden. Ab dem 1.1.2025 wird die Errichtung eines Ladepunktes zudem nicht nur bei Neubau oder Renovierung, sondern auch bei Nicht-Wohngebäuden im Bestand mit mehr als 20 Stellplätzen fällig.

Abbildung Bußgeld

Die Begriffe sind im aktuellen Entwurf so definiert: Eine „größere Renovierung“ liegt vor, wenn die Arbeiten mehr als 25 Prozent der Oberfläche der Gebäudehülle einschließen. Die o.g. Leitungsinfrastruktur umfasst alle Leerrohre, die notwendig sind, um die Strom- und Datenkabel vom erforderlichen Zählerplatz bis zum Stellplatz ziehen zu können – inklusive der Vorhaltung eines Zählerplatzes. Es gelten jedoch auch Ausnahmen: Wenn die Kosten für Lade- und Leitungsinfrastrukturen 7 Prozent der geplanten Renovierung überschreiten würden, gelten die Vorgaben des GEIG nicht. Ebenso wenig sind kleine und mittlere Unternehmen betroffen, die ihr Nichtwohngebäude in Eigenbesitz überwiegend selbst nutzen. Für öffentliche Gebäude, für die schon vergleichbare Anforderungen gelten, entfallen die Anforderungen ebenfalls. Wann das Gesetz genau in Kraft tritt, steht noch nicht fest.

Whitepaper Banner - Umschalten.de
Whitepaper Umschalten

Gesetzesreform sieht Anspruch auf Einbau einer Ladestation vor

Noch im Bundestag diskutiert wird auch eine Reformierung des Wohnungseigentums. Der zuletzt vorliegende Entwurf eines Gesetzes „zur Förderung der Elektromobilität und zur Modernisierung des Wohnungseigentumsgesetzes und zur Änderung von kosten- und grundbuchrechtlichen Vorschriften“ (kürzer: Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetz – WEMoG) sieht zahlreiche Neuerungen vor. Wenn das Gesetz in Kraft tritt, ergäben sich grundlegende Neuerungen für Wohnungseigentümer und -mieter:

  • Anspruch auf den Einbau einer Lademöglichkeit für E-Autos für einzelne Wohnungseigentümer und Mieter
  • Die Kosten würde der Begünstige tragen – also derjenige, der sich die Lademöglichkeit wünscht (Mieter oder Wohnungseigentümer)

Zudem sollen Abstimmungen in einer Gemeinschaft von Wohnungseigentümern zukünftig auch per Videokonferenz und mit digitaler Beschlussfassung möglich sein. Neuerungen am Eigentum, die nachhaltig Kosten einsparen und Wohnungen und Häuser in einen zeitgemäßen Zustand versetzen, sollen einfacher beschlossen werden können, auch gegen den Widerstand Einzelner. Laut Einschätzung des ADAC tritt das Gesetz frühestens im Herbst 2020 in Kraft. Eigentümer und Mieter mit Interesse an einem hauseigenen Ladepunkt müssen sich also nicht mehr lange gedulden.

Entwicklung der Ladestationen

Entwicklung der Ladestationen von ChargeMap.de

Bereits vorab mit den technischen Voraussetzungen beschäftigen

Die Zeit bis zum Inkrafttreten der neuen Gesetze sollten Sie nutzen, um mit Ihrem regionalen Netzbetreiber ins Gespräch zu kommen. Zunächst sollte geprüft werden, ob die vorhandene Anschlussleistung für Elektroladestationen genügt. Netzbetreiber wie die DREWAG NETZ helfen bereits frühzeitig.

Sinnvoll ist es zudem, vorab mit anderen Wohnungseigentümern und -mietern ins Gespräch zu kommen, ob auch sie Interesse an einer eigenen Ladestation haben. Nach Möglichkeit entscheiden Sie sich gemeinsam für ein einheitliches Wallbox-Modell. So können die Ladepunkte auch untereinander kommunizieren und ein Überschreiten der vorhandenen Leistung kann verhindert werden.

Steckertypen

Vermieter und Wohnungseigentümer können sich schon jetzt vorbereiten

Wann die o.g. Gesetze in Kraft treten, steht noch nicht fest – dass sie kommen aber schon. Vermieter und Wohnungseigentümergemeinschaften sollten also die Initiative ergreifen. Investieren Sie schon jetzt in die Infrastruktur, die sich nicht einem einzelnen E-Mobilisten zuordnen lässt:

  • Anschlussleistung durch Netzbetreiber erhöhen lassen
  • Lastmanagementsystem vorhalten
  • Messkonzept z. B. mit separaten Zählerplätzen vorbereiten
  • Leitungswege wie Kabeltrassen vorbereiten

Machen Sie sich auch vorab bereits Gedanken, ob Sie Ihren Mietern nicht eine einheitliche Ladetechnik vorscheiben wollen und eventuell einen fixen Installateur für die Errichtung bestimmen. So sind Sie vorbereitet, ermöglichen bei Bedarf den Einsatz eines einheitlichen Lastmanagements und können in Zukunft Unannehmlichkeiten vermeiden.

Fazit: Laden im Mehrfamilienhaus wird in naher Zukunft erleichtert

Der Gesetzgeber hat mit den beiden Gesetzesentwürfen GEIG und WEMoG eine klare Laufrichtung vorgegeben: Mit Vorgaben, wie und wann Infrastruktur vorgehalten werden muss und einem verbindlichen Anspruch auf einen Ladepunkt werden bald mehr Stellplätze für Elektroautos an/in Wohn- und Nichtwohnhäusern entstehen. Vermieter und Wohnungseigentümer sollten sich bereits vorab mit dem Thema beschäftigen und Baumaßnahmen anstoßen. Energieversorger wie die DREWAG übernehmen die Abstimmung mit dem Netzbetreiber bezüglich der Anschlussleistung für Sie und beraten Sie auch zu passenden Wallboxen, dem Lastmanagement und Fördermöglichkeiten.