Solarstrom für das Elektroauto – Photovoltaikanlage für Mieter und Eigenheimbesitzer

  •  

  •  

Lesedauer: 7 Minuten
Photovoltaikanlage Beitragsbild

Ist Photovoltaik ein großer Vorteil für die Elektromobilität oder ist die Photovoltaikanlage für zu Hause mehr Schein als Sein? 

In diesem Artikel erfahren Sie, wann sich die eigene PV-Anlage lohnt, wer eine eigene PV-Anlage installieren darf, worauf Sie dabei achten sollten und welche Photovoltaik Förderung es gibt.

Inhaltsverzeichnis

Besonders im Zuge der Preiserhöhungen für konventionelle Kraftstoffe ist ein Umstieg auf Elektromobilität zunehmend attraktiv geworden. Die Frage, ob sich ein E-Auto auch nach den gestiegenen Strompreisen finanziell noch lohnt, konnten wir schon mit einem „Ja“ beantworten. Einen wichtigen Aspekt, dem oftmals zu wenig Beachtung geschenkt wird, ist allerdings, dass Sie Ihr eigenes Benzin nicht selbst erzeugen können, Ihren eigenen Strom aber schon! Es gibt daher einige innovative Ansätze wie beispielsweise die Nutzung des E-Autos als Speicher für den eigens erzeugten Strom. Beim sogenannten bidirektionalen Laden kann der Strom im Bedarfsfall wieder zur Versorgung des Hausstroms verwendet werden. Es muss aber nicht immer eine hochkomplexe Energielösung sein. Was, wenn Sie nur ein paar Solarpanels an Ihrem Eigenheim installieren wollen, um den eigenen Energieverbrauch zu unterstützen? Am besten gleich mit der integrierten Wallbox, um das eigene E-Auto mit dem selbst erzeugten Strom zu laden? Genau darum soll es in diesem Artikel gehen.

Solaranlage: Was sind die Vor- und Nachteile?

Solaranlage Vorteile

  • Reduktion der eigenen Stromkosten
  • Absicherung vor potenziell steigenden Strompreisen
  • E-Auto kostenlos tanken
  • Amortisation der Solaranlage durch reduzierten Strombedarf nach durchschnittlich 8-15 Jahren
  • In Kombination mit Energiespeicher höherer Autarkiegrad
  • Sauber, emissionsfrei, geräuschlos
  • Einbindung in Smart Home Konzepte
  • Nutzung von Förderangeboten

Solaranlage Nachteile

  • Stromproduktion abhängig von Wetter und Jahreszeit
  • Stromproduktion abhängig von der Lage und Ausrichtung des Hauses
  • Einmalige Anschaffungskosten

Wann lohnt sich Photovoltaik?

Als erster Schritt ist die eigene Wohnsituation zu analysieren. Wohnen Sie in einem Eigenheim, haben Sie vermutlich genug freie Flächen, um eine eigene Photovoltaikanlage zu betreiben. Aber auch für Mieter kann sich eine Photovoltaikanlage oft lohnen. Gelieferter Solarstrom ist im Vergleich zum selbst erzeugten nämlich circa viermal so teuer. Das liegt an verschiedenen Steuern, Abgaben und Umlagen. Die Faustregel besagt, dass eine Photovoltaikanlage den eigenen Energieverbrauch zu etwa 30 % decken kann. Mit einem angeschlossenen Solarstromspeicher und dem entsprechenden umfassenden Energiekonzept bis zu 70 %. Das liegt daran, dass die Sonne nicht den ganzen Tag und das ganze Jahr konstant scheint und man Änderungen beim Wetter unterworfen ist. Besonders in den Mittagsstunden ist daher die Stromerzeugung hoch. Überschüssigen Strom können Sie daher entweder in einem Solarstromspeicher sichern oder im Gegenzug für die Einspeisevergütung zurück ins Netz einspeisen. Dafür brauchen Sie nur einen Einspeisezähler oder Zweirichtungszähler und die Anmeldung beim Netzbetreiber. So profitieren Sie sogar von Ihrer Photovoltaikanlage, wenn Sie gar nicht zu Hause sind!

Inforgrafik: Wie funktioniert eine Photovoltaikanlage?
Inforgrafik: Wie funktioniert eine Photovoltaikanlage?

Welche Voraussetzungen müssen für eine Solaranlage erfüllt sein?

Freie Flächen, wie beispielsweise Dächer, sind die wichtigste Voraussetzung für die eigene PV-Anlage. Die optimale Ausrichtung dieser Flächen ist nach Süden, aber auch mit einer Ausrichtungen nach Norden sind 60 – 70 % im Vergleich zur Südausrichtung möglich. Besonders bei Flachdächern ist es empfehlenswert, vor der Installation der Anlage eine Statik-Berechnung durchzuführen. So stellen Sie sicher, dass die Tragkraft des Daches für die PV-Anlage ausreicht. Neben Dächern können sich auch Balkonfassaden oder bestimmte Hauswände für eine PV-Anlage eignen. In jedem Fall sollten Sie Schattenbildung durch Gebäude oder Bäume auf der geplanten PV Anlage vermeiden. Das gilt ebenso für potenziell in Zukunft auftretende Verschattungen z. B. durch wachsende Bäume. Falls Sie ein Mieter sind, lohnt sich das Gespräch mit Ihrem Vermieter oder der Hausgemeinschaft, um eine Initiative zu gründen und Gleichgesinnte zu finden.

Auf-Dach oder In-Dach Photovol­taik?

Die Vorteile von Photovoltaik liegen auf der Hand. Ob eine PV-Anlage auf dem Dach den eigenen ästhetischen Vorstellungen gerecht wird, ist allerdings ein anderes Thema. Glücklicherweise gibt es auch hier diverse Möglichkeiten, die Solaranlage zu montieren. Die Auf-Dach-Montage ist der Klassiker, den vermutlich schon jeder auf dem ein oder anderen Hausdach gesehen hat. Hierbei werden Metallgestelle auf dem Dach montiert, die die einzelnen Solarpanels halten. Bei dieser Methode kann man später eventuell beschädigte Module einfach austauschen und ist flexibel bei der Erweiterung der PV-Anlage. Schließlich findet kein größerer Eingriff in die Bausubstanz des Hauses statt. Dafür ist die Auf-Dach-Montage visuell recht auffällig und ragt ein gutes Stück über das eigentliche Dach heraus. Die In-Dach-Montage hingegen ersetzt die obere Schicht des Dachs und legt die Solarpanels quasi in das Dach hinein. Optisch ist dies die elegantere Lösung. Dafür ist die Montage komplexer, teurer und sollte besonders bei Neubauten schon direkt von Beginn an mit eingeplant werden. Wenn Sie Ihren Neubau im Nachhinein selbstständig aufrüsten wollen, ist Vorsicht geboten. Sprechen Sie Ihr Vorhaben mit Ihrem Bauunternehmen bzw. dem entsprechenden Gewerk ab, um zu vermeiden, dass die Gewährleistung für Ihr neues Dach erlischt. Auch der Austausch einzelner Solarpanels oder die Erweiterung der PV-Anlage ist deutlich aufwendiger. Abgesehen von diesen beiden Möglichkeiten gibt es noch viele individuelle Lösungen. Ein sehr guter erster Schritt, um herauszufinden, ob sich eine Solaranlage für Sie lohnt, ist die Energieberatung der Verbraucherzentrale oder der regionale Energieversorger. Bei SachsenEnergie erhalten Sie nach Angabe Ihrer Wünsche einen Anruf, in dem Sie mit einem Experten Ihre individuellen Vorstellungen besprechen können (www.sachsenenergie.de/solar).
Unterschied In-Dach und Auf-Dach Photovoltaikanlage
Unterschied In-Dach und Auf-Dach Photovoltaikanlage

Rechtliches– Wer darf eine Photovoltaik Anlage installieren?

Vor einem solch großen Bauprojekt ist es wichtig, die rechtlichen Voraussetzungen zu erfüllen und sich abzusichern. Wir beantworten wichtige Fragen, die viele Privatpersonen im Zuge der Installation einer Photovoltaikanlage haben.

Anmeldung beim Netzbetreiber, im Marktstamm­daten­register und beim Finanzamt

Alle Anlagen, die Strom erzeugen, müssen innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme in das Marktstammdatenregister eingetragen werden. Bei Nichtbeachtung drohen ein Bußgeld und der Verlust der Einspeisevergütung. Die Registrierung erfolgt online über das Portal des Marktstammdatenregisters. Sollten Sie eine Photovoltaikanlage planen, die mehr Strom produziert als Sie verbrauchen, ist eine Anmeldung beim Netzbetreiber für das Einspeisen des überschüssigen Stroms in das Stromnetz zwingend notwendig. Für genauere Details informieren Sie sich hierfür am besten bei Ihrem Netzbetreiber vor Ort. Da es sich beim Betrieb einer eigenen Photovoltaikanlage um eine gewerbliche Tätigkeit handelt, müssen Sie diese ebenfalls Ihrem Finanzamt melden. Da Sie aus den Einspeisungen ins Stromnetz Gewinne erzielen, sind diese einkommenssteuerpflichtig. Sowohl auf den eingespeisten Strom als auch auf den selbst genutzten entfallen zusätzlich die Umsatzsteuer.

Exkurs: Photovoltaikanlage für Mietwohnungen?

Wie das Amtsgericht Stuttgart im März 2020 bestätigte, können Vermieter die Installation von Balkon Photovoltaik nicht ohne triftige Gründe untersagen. Voraussetzung für die Genehmigung ist, dass sie baurechtlich zulässig ist, fachmännisch installiert wurde und keinerlei Schäden an der Bausubstanz bei einem späteren Rückbau verbleiben. Riskieren Sie keinen Rechtsstreit, sondern sprechen Sie offen mit Ihrem Vermieter. Als Alternative besteht weiterhin die Möglichkeit, das Dach des Hauses, in dem die Mietwohnung liegt, oder auch ein anderes, anzumieten. Auch dies sollten Sie im Gespräch mit den Eigentümern klären.

Was kostet eine Solaranlage?

Eins vorweg: Eine private Photovoltaikanlage ist besonders günstig, wenn Sie eine Förderung in Anspruch nehmen können. Die Kosten einer PV-Anlage sind abhängig vom eigenen Stromverbrauch und der Leistung der Photovoltaikanlage. Je höher Ihr Stromverbrauch ist, desto mehr Solarfläche benötigen Sie und desto höher fallen die Kosten aus. Bei einem beispielhaften Stromverbrauch von 4.000 kWh/Jahr sollte die Photovoltaikanlage rund 4 kWpeak Leistung haben. Diese ist ab rund 8.000 Euro erhältlich. Ein passender Speicher würde zusätzlich etwa 6.500 Euro kosten. Welche Speicherdimension sinnvoll ist, richtet sich nach der installierten Leistung der PV-Anlage und liegt bei Einfamilienhäusern zwischen 5 und 15 Kilowattstunden. Pro Kilowattstunde Speicherkapazität können Sie mit Preisen zwischen 1.000 und 1.800 Euro rechnen. Weiterhin sollten Sie auch die Kosten für die Montage einkalkulieren. In jedem Fall ist eine PV-Anlage eine langfristige Investition. Die Kosten werden sich in den allermeisten Fällen erst nach einigen Jahren amortisieren. Für eine Photovoltaik Komplettanlage mit entsprechendem Energiekonzept, Speicher und Integration einer Wallbox sollten Sie sich ein Angebot bei Ihrem lokalen Energieversorger wie beispielsweise der SachsenEnergie einholen. Bei einem angenommenen Stromverbrauch von 4.000 kWh/Jahr und einer Eigenverbrauchsquote von 70 % können gemessen am derzeitigen Durchschnittsstrompreis in Deutschland in Höhe von 34,96 ct/kWh knapp 1.000 Euro pro Jahr eingespart werden.

Welche Photovoltaik Förderung gibt es?

Die Vergütung für Solarstrom, den Sie in das Stromnetz einspeisen, ist technisch gesehen eine Förderung. Die Bundesregierung diskutiert konstant, wie genau sie sich in Zukunft entwickeln soll. Die staatliche Bankengruppe KfW fördert erneuerbare Energien mit einem zinsgünstigen Kredit. Mit dem Förderprodukt „Erneuerbare Energien – Standard (270)“ werden Anlagen zur Erzeugung von Strom und Wärme sowie Netze und Speicher mit einem effektiven Jahreszins von nur 2,56 % gefördert. Das Ganze sowohl für Privatpersonen als auch Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Einige Bundesländer bieten zudem eigene Förderprojekte an. Ob Sie für ein solches infrage kommen, sollten Sie herausfinden, wenn Sie zeitnah mit der Umsetzung beginnen wollen, da die Fördertöpfe schnell ausgeschöpft sein können. So war der Fördertopf im Rahmen des Programms „Solarstrom für Elektroautos“ mit 300 Mio. Euro innerhalb eines Tages aufgebraucht (442 Solarstrom für Elektroautos | KfW). Neben der Photovoltaikanlage, dem Stromspeicher und der Ladestation, war auch das bestellte bzw. bereits verfügbare E-Auto Voraussetzung. Weitere 200 Mio. Euro sind im Jahr 2024 geplant, schnell sein lohnt sich daher!

Selbst nutzen oder einspeisen – der Vergleich

Was lohnt sich eigentlich mehr, selbst nutzen oder einspeisen? Je mehr Solarstrom von Ihnen selbst genutzt wird, desto mehr lohnt sich die Investition in eine PV-Anlage. In der Nacht zum 05.07.2022 hat sich die Bundesregierung auf eine durchschnittliche Einspeisevergütung laut EEG von 8,60 Cent pro Kilowattstunde für den Solarstrom kleiner PV-Anlagen geeinigt. Dies gilt für Neuanlagen ab dem 01.01.2023. Im Vergleich zu den durchschnittlich 35 Cent pro kWh, die ein Verbraucher bezahlt, um Strom beim Versorger zu beziehen, also deutlich geringer. Am effizientesten ist es daher, den selbst erzeugten Solarstrom auch selbst zu verbrauchen. Das ist der Grund, warum Solarstromspeicher eine so gute Idee sind. So brauchen Sie nachts keinen teuren Strom einkaufen, sondern können weiterhin den eigens produzierten nutzen. Eigenverbrauch ist also, falls möglich, immer die günstigere und finanziell lohnendere Alternative im Vergleich zum Einspeisen ins Stromnetz.

Photovoltaik­anlage für zu Hause: die umwelt­freund­liche Möglich­keit, Strom­kosten zu senken und das eigene E-Auto zu laden!

Viele Menschen sind in letzter Zeit durch ihr neues E-Auto auf das Thema Photovoltaikanlage für Privatpersonen aufmerksam geworden. Das ist sehr erfreulich, schließlich können Sie so nicht nur bares Geld sparen, sondern erzeugen dabei auch noch klimaneutralen Strom! Die richtige Planung ist bei einem solchen Projekt das A und O. Klären Sie im Vorfeld ab, ob sich Ihr Gebäude für eine Photovoltaikanlage eignet und wie hoch Ihr Strombedarf ist. Finanziell am lohnendsten ist es aber immer, wenn Sie Ihren selbst erzeugten Strom auch wieder selbst verbrauchen. Durch die Abhängigkeit von der Sonne ist ein Stromspeicher zudem eine gute Idee, so können Sie Ihr E-Auto auch bei schlechtem Wetter oder bei Nacht mit Solarstrom versorgen. Die KfW-Förderung 442 „Solarstrom für Elektroautos“ oder die KfW Förderung 270 für erneuerbare Energien macht ein solches Projekt zudem schmackhaft. Halten Sie auch Ausschau nach anderen Förderungen der Bundesländer, diese sind schnell vergriffen! Für ein umfassendes Energiekonzept und eine persönliche Beratung sollten Sie sich immer an Ihren Energieversorger vor Ort wenden.
Ein Beitrag von Marcel Duparré

Beitrag teilen

Leitfaden zum umschalten

Unser Leitfaden

zum Umschalten

Alles was Sie wissen müssen über Förderungen,
Kosten, Best Practice und mehr …

Unser Leitfaden

zum Umschalten

Alles was Sie wissen müssen über Förderungen,
Kosten, Best Practice und mehr …

Leitfaden zum umschalten
Suche

Impressum

Datenschutz