Strompreisentwicklung: Lohnt sich das E-Auto im Vergleich zum Verbrenner noch?

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Lesedauer: 6 Minuten
Beitragsbild Entwicklung Strompreise

Inhaltsverzeichnis

Ob nun geschäftlich oder privat, wenn Sie über die Anschaffung eines E-Autos oder eines Plug-in-Hybridfahrzeuges nachdenken, ist ein Vergleich zwischen der Strompreisentwicklung und der Kraftstoffpreisentwicklung naheliegend und interessant. Ein Kostenvergleich zwischen E-Auto und Verbrenner ist immer eine Momentaufnahme, in der das E-Auto sehr gut aussieht. Allerdings will jeder angehende Fahrer eines Elektrofahrzeugs auch auf lange Sicht von den geringeren Kosten pro gefahrenem Kilometer profitieren. Wir gehen das komplexe Thema Strompreisentwicklung Schritt für Schritt an, betrachten die wichtigsten Einflussfaktoren und geben einen Überblick im Vergleich zur Kraftstoffpreisentwicklung.

Wie setzen sich Strom und Strompreis in Deutschland zusammen?

Laut der Datenerhebung 2020 über den Bundesmix 2020 des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (bdew) besteht der Gesamtenergieträgermix in Deutschland aus 48,9 % erneuerbare Energien, 12,4 % Kernkraft, 24,0 % Kohle, 13,3 % Erdgas und 1,3 % sonstige fossile Energieträger. In der Kategorie der erneuerbaren Energien wird nochmals differenziert. Insgesamt 44,9 % sind erneuerbare Energien, finanziert aus der EEG-Umlage, 4,1 % sind sonstige erneuerbare Energien oder erneuerbare Energien mit Herkunftsnachweis, die nicht durch die EEG-Umlage finanziert wurden und 0,001 % ist Mieterstrom (vom Mieter erzeugter Strom, z.B. über Solarpanele auf dem Dach), finanziert durch die EEG-Umlage.

Wie setzt sich der durchschnittliche Strompreis von 32,16 ct/kWh in Deutschland 2021 konkret zusammen und wohin geht welcher Teil des bezahlten Preises? Insgesamt fallen 51,4 % des Preises auf Steuern, Abgaben und Umlagen; 24,5 % auf Netzentgelte und Messung; und 24,1 % auf Stromerzeugung und Vertrieb. Die Übersicht im Detail finden Sie in unserer Übersichtsgrafik.

Quelle: BDEW

Wer bestimmt den Strompreis? Wer hat Einfluss?

Auf die Frage, wer den Strompreis bestimmt, gibt es eine so einfache wie unbefriedigende Antwort: Angebot und Nachfrage. Zwar gibt es verschiedene Einflussfaktoren, aber sie alle beeinflussen am Ende das Angebot oder die Nachfrage. Das Wetter hat sowohl mit vorhersehbaren als auch mit unvorhersehbaren Änderungen einen großen Einfluss. So ist der Energiebedarf im Winter heizbedingt deutlich höher als im Sommer. Vorhersehbare Wettereinflüsse werden aber schon sehr gut von den Stromanbietern aufgefangen. Auch plötzliche Wetterumschwünge und Katastrophenfälle können die Versorgung beeinflussen. Politische Geschehnisse können ebenfalls Einfluss nehmen. Besonders eine politische Steuerung der Umlagen und Abgaben hin zu mehr Klimaschutz ist sehr wahrscheinlich. Recht aktuell ist auch die höhere Gewalt. Dazu zählen beispielsweise Ereignisse wie die Pandemie, mit der niemand gerechnet hat. Der Strompreis wird also nicht von einer bestimmten Stelle vorgegeben, ihm liegt vielmehr ein komplexes multifaktorielles Zusammenspiel zugrunde.

Strompreisentwicklung: Warum steigt der Strompreis?

Viele Menschen beobachten die Strompreisentwicklung kritisch. Welche Faktoren einen Einfluss auf den Strompreis haben, ist die eine Sache, doch ganz konkret gefragt: Weshalb steigen die Strompreise in Deutschland?


Welche Einflussfaktoren gibt es?

Der neusten Strompreisentwicklung in Deutschland liegt vor allem der lange kalte Winter 20/21 zugrunde, dadurch stieg der Gaspreis an. Dazu bleiben die Liefermengen im Strommarkt (aus Russland) hinter dem Durchschnitt der Vorjahre zurück, wodurch ein ausreichendes Befüllen der historisch niedrigen Gasspeicherstände nicht erfolgen konnte.

 

Entwicklung der CO2-Abgabe

Die CO2-Abgabe orientiert sich in ihrer Höhe am Handel mit Emissionszertifikaten, den EUA (European Union Allowance). Der Marktpreis ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, und da er wichtiges Instrument zur Steuerung der CO2-Emissionen und damit zur Bekämpfung des Klimawandels ist, ist hier eine deutliche Entspannung nicht wahrscheinlich.

Entwicklung der EEG-Umlage

Laut Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (bmwi) wird die EEG-Umlage 2022 auf 3,723 ct/kWh sinken und damit auf dem niedrigsten Stand seit 10 Jahren sein – trotz einer Verdopplung der EEG-Strommenge von 118 auf 239 Terawattstunden. Diese Entwicklung lässt sich im Kern auf die Strompreisentwicklung an der Börse und auf die Bundeszuschüsse zurückführen. Die Senkung der EEG-Umlage soll als eine Art „Stabilisator“ für die Haushaltsstrompreise fungieren.

Quelle: statista.com

Wie steht es seit 1998 um die Strompreisentwicklung in Deutschland?

Seit 1998 ist der durchschnittliche Strompreis für Haushalte deutlich gestiegen. Man kann sehr gut erkennen, dass er zwischen 2012 und 2014 einen großen Sprung gemacht hat, dann bis 2018 recht stabil blieb und in den letzten drei Jahren wieder etwas anstieg.

Strompreisentwicklung: Wie ist die Prognose bis 2025?

Es ist ernüchternd, aber eine wirkliche Prognose kann man zurzeit schwer abgeben. Der Markt ist sehr volatil und bis 2025 vergeht noch viel Zeit. Wie wir schon festgestellt haben, ist die Strompreisentwicklung von mehreren Faktoren abhängig und dadurch noch schwerer einzuschätzen. Für Privatverbraucher ist die Nutzung der EEG-Umlage vom Staat als eine Art „Stabilisator“ für die Haushaltsstrompreise auf jeden Fall eine gute und beruhigende Nachricht, denn so sind diese vor den hohen Schwankungen an der Strombörse zumindest teilweise geschützt. Diese Maßnahme ist allerdings zunächst für 2022 angedacht, inwiefern sie bis 2025 helfen wird, ist sehr schwer abzuschätzen. Kunden können durch die Nutzung langfristig orientierter Tarife bei seriösen Energieversorgern eine Stabilisierung des Preises erreichen und vermeiden, sich kurzfristigen Schwankungen auszusetzen. Prinzipiell trägt die Nutzung von Energie zum Klimawandel bei, wodurch eine höhere Bepreisung hier verursachungsgerecht ist und einen steuernden Effekt hat, also politisch durchaus Sinn macht.

Einsparmöglichkeiten für Unternehmer

Besonders Unternehmen haben einige Einsparmöglichkeiten, die bei steigenden Strompreisen immer bedeutender werden. Intelligente Energieprodukte richten sich ganz nach deren Bedarf, sind also individuell konfigurierbar. Zusammen mit den Firmen wird eine komplette Energielösung erarbeitet und realisiert.

 

Generell empfiehlt sich eine Energieeffizienzanalyse. Hier werden Einsparpotenziale identifiziert und umgesetzt. In nahezu jedem Betrieb lassen sich – in Abhängigkeit von Branche und Größe – zwischen 5 und 20 % Energie einsparen.

 

Erinnern wir uns an die Zusammensetzung des Strompreises. Schnell fällt auf, dass die Strombeschaffung an der Strombörse nur ein Viertel der Energiekosten ausmachen. Für Industriekunden gibt es verschiedene Möglichkeiten, entlastet zu werden. Was Sie tun können, erfahren Sie am besten im Gespräch mit Ihrem persönlichen Energieberater vor Ort.

Strompreis: Ländervergleich in der EU

Laut den Zahlen für das Jahr 2020 von Statista ist Deutschland bei den Strompreisen für Haushalte in den Ländern der EU-27 der Spitzenreiter. Kein Land in der EU hat teureren Strom. Dies ist wohl auf die hohen Abgaben zurückzuführen, bedeutet aber auch, dass Deutschland auf die steigenden Strombörsenpreise flexibel reagieren können sollte. Falls Ihr Unternehmen weitere Standorte im EU-Ausland betreibt, sollten Sie sich definitiv mit den lokalen Strompreisen auseinandersetzen. Im Kostenvergleich zwischen E-Autos und Verbrennern schneiden die E-Autos trotz hoher Deutscher Strompreise gut ab, dies ist in einem EU-Ausland mit signifikant niedrigeren Strompreisen natürlich dementsprechend noch besser.

Quelle: BDEW

Vergleich zur Benzinpreisentwicklung

Bei der Benzinpreisentwicklung sehen wir Ähnlichkeit zur Strompreisentwicklung. Auch hier handelt es sich um einen Marktpreis, der durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Allerdings hat das Monopol der OPEC+, eine Vereinigung der ölexportierenden Länder, einen deutlichen Einfluss auf das Angebot. Ebenfalls sind Abgaben und steuerliche Maßnahmen signifikante Teile des Endpreises. Genau wie der Strompreis ist auch der Benzinpreis schwierig vorherzusagen. In den letzten zwanzig Jahren haben sich beide Preise mehr als verdoppelt, der Trend geht also in die gleiche Richtung. Unter Vorbehalt kann man also für die an einem E-Auto interessierten Endverbraucher Entwarnung geben: Es ist in absehbarer Zeit unwahrscheinlich, dass der Strompreis signifikant ansteigt, während der Benzinpreis dauerhaft stagniert oder fällt. Der monetäre Vorteil eines E-Autos im Vergleich zu einem Verbrenner wird also aller Voraussicht nach bestehen bleiben.

Strompreisentwicklung Fazit: Elektrisch fahren lohnt sich weiterhin!

Wenn Sie daran interessiert sind, ein E-Auto zu kaufen, ist eine Auseinandersetzung mit dem Thema Strompreisentwicklung im Vergleich zur Benzinpreisentwicklung naheliegend. Es gibt verschiedene Faktoren, die den jeweiligen Preis beeinflussen. Was Sie am Ende bezahlen, wird allerdings zum größten Teil durch Angebot und Nachfrage und durch die Umlagen und Abgaben bestimmt. Beide Preise verhalten sich ähnlich und sind in den letzten zwei Jahrzehnten signifikant angestiegen. Für Unternehmer empfiehlt es sich besonders, eine oder mehrere der erwähnten Einsparmöglichkeiten in Betracht zu ziehen und ein persönliches Beratungsgespräch zu vereinbaren. Als Privatverbraucher werden Sie den von uns in unserer Beispielrechnung „Reichweite je 20€“ aufgezeigten monetären Vorteil eines E-Autos pro gefahrenem Kilometer gegenüber eines Verbrenners vermutlich weiterhin beibehalten können.

 

Wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig, sodass Sie auf umschalten.de stets aktuelle Fakten zur Elektromobilität für den Mittelstand finden.

 

Bei Fragen zum Thema melden Sie sich gerne unter frag@umschalten.de!

Ein Beitrag von Eric Wegner

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