Photo­voltaik: Lohnt die Inselanlage fürs Elektroauto?

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Lesedauer: 8 Minuten
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Sie haben Ihre Unternehmensflotte bereits teilweise oder vollständig auf Elektromobilität umgestellt und möchten diese nun auch mit grünem Strom möglichst autark versorgen? Mit einer Photovoltaikanlage sparen Sie nicht nur Geld und tun effektiv etwas fürs Klima, Sie sind auch unabhängig von stark schwankenden Strompreisen. Welche Art Photovoltaikanlage sich für Ihre Bedürfnisse am besten eignet und worauf Sie bei der Installation von Solarmodulen achten sollten, erfahren Sie in unserem Blogartikel.

 

DIE BESTEN GRÜNDE FÜR EINE PHOTOVOLTAIK­­ANLAGE

STROMKOSTEN SENKEN

Mit dem produzierten Strom aus Ihrer eigenen Photovoltaikanlage senken Sie erheblich und dauerhaft Ihre Stromkosten. Denn für eigenerzeugten Strom fällt weder ein Arbeits- noch ein Grundpreis an. So vermeiden Sie sämtliche Netzentgelte, also Gebühren an Ihren örtlichen Netzbetreiber. Vor der Errichtung einer solchen Anlage werden der Stromverbrauch, als auch die baulichen Gegebenheiten vor Ort sowie die gesetzlichen Anforderungen an den Bau der Anlage genau analysiert. Daher sollten Sie schon in der Planung eine*n Berater*in hinzuziehen, um alles im Blick behalten zu können. Besonderes Augenmerk gilt es hierbei auf den Verbrauch Ihrer Elektrofahrzeuge zu legen. Der Stromverbrauch, der für das Laden Ihrer Flotte notwendig ist, sollte zwingend in die Kalkulation zur Größe der PV-Anlage und zur Eigenverbrauchserhöhung mit einbezogen werden. Da eine Photovoltaikanlage um die Mittagszeit den meisten Strom erzeugt, der eventuell nicht direkt verbraucht werden kann, hilft ein Speicher, den überflüssigen Strom auffangen. Das können in diesem Fall Ihre E-Fahrzeuge selbst sein! So können Sie Ihre Eigenverbrauchsquote optimieren und die meisten Kosten sparen.

 

EINE EIGENE PV-ANLAGE RENTIERT SICH

Photovoltaikanlagen werden meist auf ungenutzten Dächern oder auf einer Freifläche errichtet. Durch die Montage von Solarmodulen können Sie diese Flächen nun sinnvoll und ertragreich nutzen. Je höher der Eigenverbrauch Ihres Unternehmens ist, desto schneller rechnet sie sich monetär. Tendenziell erzielen kleiner dimensionierte Anlagen eine höhere Eigenverbrauchsquote. Das bedeutet, dass der Anteil des von Ihnen genutzten Stroms am produzierten Strom sehr hoch ist. Wohingegen die größeren PV-Anlagen den Vorteil haben, dass sie in der Anschaffung spezifisch günstiger sind. Die letztendlich optimale Größe der PV-Anlage ist für jedes Unternehmen individuell zu ermitteln. Die Investition in eine Photovoltaikanlage unter Berücksichtigung der aktuellen Baukosten hat sich nach sechs bis zehn Jahren amortisiert.

 

SIE HANDELN NACHHALTIG

Eine Photovoltaikanlage nutzt mit der Sonne eine erneuerbare Energiequelle und trägt somit zum Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland bei. So beteiligen Sie sich nicht nur am Klimaschutz und der Energiewende, sondern sorgen auch für eine nachhaltige Stromversorgung in Ihrem Betrieb. Mit einer Photovoltaikanlage können so pro Jahr mehrere hundert Tonnen CO2 eingespart werden.

 

AUTARKIE VOM STROMMARKT

Durch die Nutzung des eigenen Solarstroms sichern Sie sich für einen gewissen Teil Ihrer Stromversorgung gegen die stark schwankenden Preise am Strommarkt ab. Durch die Eigenversorgung erlangen Sie nicht nur Planungssicherheit, sondern Sie steigern so auch Ihre Energieautarkie.

 

PHOTOVOLTAIK­ANLAGEN – EIN VERGLEICH

DACH-ANLAGEN

Bei der Errichtung einer Photovoltaikanlage auf Ihrem Unternehmensdach, dessen Fläche in der Regel ohnehin ungenutzt ist, bedarf es keiner Baugenehmigung. Bei flachen Dächern ist eine Ost-West-Aufständerung der Anlage üblich. Dabei werden die Solarmodule mittels eines Montagesystems zu gleichen Teilen nach Osten und Westen mit einer Neigung von 10 bis 15 Grad angebracht. Auf diese Weise bekommen Sie mehr Leistung auf Ihr Dach. Zum anderen wird der Lasteintrag auf die Dachfläche minimiert. Denn durch die aerodynamische Form sind die Module viel windgeschützter. Die Anlage wird mit zusätzlichem Gewicht beschwert und nicht durch beispielsweise Verschrauben auf dem Flachdach befestigt. Diese Art der Montage stellt sicher, dass nach einer langen Nutzungszeit von 20 Jahren und darüber hinaus kein Schaden an Ihrem Dach entsteht.

 

Bei Schrägdächern wird die PV-Anlage parallel zum Dach errichtet. Der Solarertrag ist dann abhängig von der Neigung und Ausrichtung Ihres Daches zur Sonne. Hierbei wird das Montagesystem über dem Dachhaken direkt am Dachsparren befestigt. Grundsätzlich müssen Sie bei Aufdachanlagen prüfen, ob die baulichen Anforderungen eingehalten werden. Auch die Lastreserven des Daches dürfen hier nicht überschritten werden. Ist das doch der Fall, sollten Sie über eine Freiflächen-Anlage nachdenken. Zudem ist der Netzanschluss der Dachanlage oft komplexer. Es empfiehlt sich also, eine*n Expert*in zu Rate zu ziehen.

 

FREIFLÄCHENANLAGEN

Eine solche PV-Anlage eignet sich am besten für Sie, wenn Sie einen hohen Stromverbrauch verzeichnen oder kein belastbares Dach haben. Diese Anlagen werden in der Regel unmittelbar auf dem Grundstück Ihres Unternehmens errichtet, ohne dass öffentliche Straßen mit Kabeln überquert werden müssen.

Aufgrund der niedrigen Einspeisevergütung und der höheren Kostendegression werden Freiflächenanlagen oft mit wesentlich größerer Erzeugungsleistung geplant.  Bei einer PV-Freiflächenanlage muss im Gegensatz zur Dachanlage eine Baugenehmigung beantragt werden. Zudem ist der Aufwand für Erdarbeiten und Diebstahlschutz erhöht. Wenn Sie dies allerdings beachten, und die Freifläche in den nächsten 20 bis 25 Jahren nicht anderweitig benötigt wird, lohnt sich eine PV-Freiflächenanlage gleich doppelt – für Sie und fürs Klima. Zum einen wegen der CO2- und Kosteneinsparung durch den erzeugten Solarstrom und zum anderen, weil Sie unter den Solarmodulen Biotope zum Beispiel in Form einer Wildblumenwiese für Bienen anlegen können. Diese werden dann maximal zweimal pro Jahr gemäht und sind somit auch offiziell anerkannt.

 

MEYER BURGER – DIE ZUKUNFT DER PHOTOVOLTAIK­ANLAGEN

Die Technologie, Photovoltaik betreffend, entwickelt sich momentan stetig weiter. Besonders China ist einer der Vorreiter auf diesem Gebiet. Doch neueste Innovationen bei der Solarmodul-Produktion kommen nicht mehr nur von Übersee, sondern auch aus Sachsen. Der Photovoltaik-Maschinenhersteller Meyer Burger hat Ende April 2021 seine neuen Hochleistungs-Solarmodule im Rahmen einer digitalen Produktpremiere vorgestellt. Die in Deutschland hergestellten Module, die jeweils unter 20 Kilogramm wiegen, versprechen eine bis zu 20-prozentige Mehrleistung im Vergleich zu herkömmlichen Modulen, obwohl die Größe der Module gleich bleibt. Sie lösen zudem das Problem der zu geringen Sonneneinstrahlung. Die Sorge, dass schlechtes Wetter die Stromversorgung gefährdet, besteht bei vielen Interessenten. Doch die Module von Meyer Burger sind wetterunabhängiger und selbst bei Hitze oder einem ungünstigen Einfallwinkel der Sonne verlieren sie kaum an Leistung. Zusätzlich nutzt Meyer Burger spezielle Rückseitenfolien, die die Langlebigkeit und damit auch den Ertrag der Module noch mehr steigern. Denn diese Folien wandeln einfallende Lichtenergie ebenfalls in Strom um.

 

PVA Meyer Burger Kraftwerk Reick

 

LADEN MIT STROM AUS PHOTOVOLTAIK­ANLAGEN

Wenn Sie Ihre Unternehmensflotte mit eigenerzeugtem Strom aus Ihrer Photovoltaikanlage laden möchten, müssen Sie bei der Errichtung der Ladetechnik einige Aspekte berücksichtigen. Spätestens an diesem Punkt ist eine ausführliche Beratung durch Spezialist*innen empfehlenswert. So wissen Sie genau, welche Voraussetzungen bei der Errichtung der Technik erfüllt sein müssen. Beispielsweise ist zwingend darauf zu achten, dass Schnittstellen zur Kommunikation mit der PV-Anlage vorhanden sind. Diese Schnittstellen sind unerlässlich für die Optimierung des Ladeverhaltens durch ein Energiemanagementsystem. Ein Managementsystem ist von großer Wichtigkeit, damit bspw. überschüssiger erzeugter Strom zum Laden von E-Fahrzeugen verwendet wird. Das Gute daran ist, dass Sie sich um die Errichtung eines Stromspeichers keine Sorgen machen müssen. Ihre Flotte fungiert in diesem Fall als Speicher, verbraucht Ihren überschüssigen Strom und erhöht so Ihre Eigenverbrauchsquote.

 

Noch vor der Installation muss eine Anmeldung der Energieerzeugungsleistung der PV-Anlage und des zusätzlichen Leistungsbedarfs der Ladepunkte beim zuständigen Verteilnetzbetreiber angemeldet werden. Hierfür müssen Sie zwingend vorab mit Ihrem lokalen Verteilnetzbetreiber in Abstimmung gehen. Auch die Einbindung der einzelnen Ladepunkte in das Messkonzept der Photovoltaikanlage muss gewährleistet sein.

Um hier nicht aus Versehen Fehler zu machen, berät Sie Ihr*e Planer*in gerne und übernimmt diese Schritte für Sie.

DAS IST BEI DER KOMBINATION VON PHOTOVOLTAIK UND LADESTATION ZU BEACHTEN

Vorab sei gesagt, dass Sie mit der Installation von Solarmodulen über die Jahre bares Geld sparen. Die Errichtung einer Photovoltaikanlage ist natürlich mit Kosten verbunden. Die Kosten variieren je nachdem für welche Art von Anlage Sie sich entscheiden und wie groß diese dimensioniert wird. Nach einigen Jahren amortisiert sich eine Anlage in der Regel – wie unser Beispiel zeigt. Am meisten profitieren Sie dabei von der Unabhängigkeit steigender Strompreise, Netzentgelte, Umlagen und der Stromsteuer. Bei der Kombination von PV-Anlage und Ladestation sind Sie auch mit Ihrem E-Auto unabhängig und garantiert nachhaltig unterwegs. Damit die Vorteile des eigenerzeugten PV-Stromes auch für das Laden Ihrer E-Fahrzeuge gelten und worauf Sie hierbei besonders achten müssen, erklären wir Ihnen nachfolgend.

 

EEG-UMLAGE

Erzeugen Sie mit Ihrer PV-Anlage selbst Strom und nutzen ihn zur Eigenversorgung, profitieren sie vom sog. Eigenstromprivileg. Die EEG-Umlage verringert sich dabei auf 40 Prozent. Bei Anlagen mit höchstens 30 kW Erzeugungsleistung und einem Eigenverbrauch von bis zu 30 Megawattstunden pro Jahr kann sie sogar ganz entfallen. Dies gilt übrigens auch für bereits errichtete Anlagen. Befreit ist allerdings nur der Strom, den Sie als Anlagen-Betreiber selbst verbrauchen und beispielsweise für Ihre Produktionsprozesse oder zum Laden Ihrer Flottenfahrzeuge oder Dienstwagen nutzen.

Sobald der Strom Dritten zur Verfügung gestellt wird, gilt das Privileg nicht mehr und die EEG-Umlage fällt zu 100 Prozent an. Beispielsweise für Lademengen, die durch private E-Fahrzeuge von Mitarbeitern und Gästen abgenommen werden. Ebenso tritt diese Konstellation auch ein, wenn zusätzliche Mieter oder Fremdfirmen auf Ihrem Gelände, den Solarstrom über Sie mitbeziehen z.B. eine fremdbetriebene Firmenkantine. In all diesen Fällen treten daher umfangreiche Melde- und Zahlungspflichten in Kraft.

 

Werden diese Pflichten nicht beachtet, ist die Folge, dass auch rückwirkend der gesamte erzeugte Strom im jeweiligen Kalenderjahr der EEG-Umlage unterliegt. Wenn Sie den Solarstrom also auch in Konstellationen mit Dritten verwenden möchten, sind für die Erhebung der EEG-Umlage alle Strommengen klar voneinander abzugrenzen.

 

Dies bedingt aufwändige und teure Messkonzepte sowie eine monatliche Meldepflicht aller Mengen beim Übertragungsnetzbetreiber. Dabei müssen die Mengen der Erzeugung, der Einspeisung und der Nutzung Ihres Stroms durch Dritte voneinander abgegrenzt werden. Was dabei im Detail zu beachten ist, erklärt der Leitfaden der Bundesnetzagentur auf 85 Seiten.

 

Die Schwierigkeiten, die mit einer Abgrenzung des von Dritten entnommenen Ladestromes einhergehen, können umgangen werden, indem für die Drittverbraucher gewöhnliche Stromlieferverträge am Markt abgeschlossen werden. Das bedeutet, dass dieser Strom über eigenständig abrechnungsfähige Zählpunkte (Marktlokationen) aus dem Netz zur Verfügung gestellt wird.

 

Das heißt im Kontext der Ladeinfrastruktur, dass die Ladestationen, die zum Laden privater Mitarbeiter- und Gästefahrzeuge vorgesehen sind, am besten nicht aus der PV-Anlage und über einen eigenen Stromliefervertrag durch Strom aus dem öffentlichen Netz versorgt werden. Um bei diesem komplexen Thema nicht den Überblick zu verlieren oder gar das gesamte Eigenstromprivileg zu gefährden, empfehlen wir auch hier, eine*n Berater*in hinzuzuziehen.

 

STROMSTEUER

Ähnlich wie beim Eigenstromprivileg verhält es sich auch bei der Stromsteuer. Stromsteuerbefreit ist dabei Strom, der in Anlagen mit einer elektrischen Nennleistung von bis zu zwei Megawatt aus erneuerbaren Energieträgern erzeugt wird und der vom Betreiber der Anlage im räumlichen Zusammenhang zu der Anlage zum Selbstverbrauch entnommen wird.

 

Für Strom, der zum Laden von Elektrofahrzeugen genutzt wird, gilt dieses Privileg leider ausdrücklich nicht (siehe §9b Abs. 1) nicht. Gemäß der Paragrafen 9b und 10 des Stromsteuergesetzes ist unter Umständen jedoch eine Befreiung möglich (siehe auch Grafik). Auch hier ist es demnach unabdingbar, die unterschiedlichen Strommengen klar voneinander abzugrenzen und die Mengen zu melden. Wobei die Anforderungen hier, zum Beispiel an die Messung, weniger hoch sind als beim Thema EEG. Hier empfehlen wir Ihnen zusätzlich, ein*e Steuerberater*in hinzuzuziehen.

 

Unternehmen
StrombezugStrom aus erneuerbarer EigenerzeugungÖffentliches Stromnetz
LadesäulennutzerGäste und MitarbeiterFlotten-/ Dienstwagen-fahrerGäste und MitarbeiterFlotten-/ Dienstwagen-fahrer
StromsteuerJaJa*JaJa

*Befreiung nach §§9b und 10 möglich

 

FAZIT – IHRE EIGENE PHOTOVOLTAIK­ANLAGE LOHNT SICH FÜR SIE

Wenn Sie freie, ungenutzte Flächen auf Ihrem Dach oder Ihren Unternehmensgrundstück und eine teilweise oder komplett elektrifizierte Flotte besitzen, lohnt sich die Errichtung einer Photovoltaikanlage auf jeden Fall. Sie können dadurch

Ihren eigenen Strom verbrauchen. Um die verschiedenen Vorteile einer PV-Anlage, u.a. die Stromsteuerersparnis und die reduzierte EEG-Umlage, bestmöglich ausnutzen zu können, ist insbesondere bei der Kombination der Anlage mit Ladetechnik auf einiges zu achten. Daher sollten Sie sich zwingend an einen Profi wenden, der Sie bei der kompletten Planung und Ausführung unterstützt. Gerne stehen Ihnen die Kolleg*innen von SachsenEnergie bei allen Fragen kompetent zur Seite. 

 

Sollten Sie als kleines oder mittelständisches Unternehmen in Sachsen Interesse an der Förderung von E-Autos und von Ladestationen haben, finden Sie in unserer Checkliste zur Elektroauto-Förderung eine praktische Hilfe zum Ausdrucken. In unserem umfangreichen Whitepaper, das Sie kostenfrei herunterladen können, finden Sie auch zahlreiche Informationen zur Ladeinfrastruktur und zu Best Practices aus Sachsen. Sie haben Fragen oder eine Themenidee? Dann schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an frag@umschalten.de.

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Ein Beitrag von Lisa Troeger

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