Unter­nehmens­flotten auf Elektro­mobilität um­stellen – für wen es sich lohnt!

Mittelständische Unternehmen setzen bei der Modernisierung ihres Fuhrparks zunehmend auf Elektrofahrzeuge. Schon über ein Viertel aller Unternehmen in Deutschland hat Elektrofahrzeuge in Ihrer Flotte. Zielsetzungen wie das Reduzieren des CO2-Austoßes, geringere Fuhrpark- und Unterhaltskosten sowie eine Unabhängigkeit von Energie- und Brennstoffpreisen durch eigene erneuerbare Erzeugungsanlagen, tragen dabei maßgeblich zum Umstieg auf Elektromobilität im geschäftlichen Umfeld bei.

Sie spielen ebenfalls mit dem Gedanken, Ihre Unternehmensflotte auf Elektromobilität umzustellen, haben aber Bedenken, ob es sich wirklich lohnt und dabei auch noch praktikabel ist? In unserem Blogartikel zeigen wir Ihnen, wann die Umstellung auf Elektromobilität sinnvoll ist, welche Parameter Sie zu Beginn bedenken und worauf Sie bei der Umsetzung besonders achten sollten.

1. Zu kalkulierende Parameter

Zuerst sollten Sie den Iststand in Ihrem Unternehmen festhalten sowie Ihre Anforderungen bzw. Wünsche an die Zukunft definieren. Dafür spielen Parameter wie die Größe und Zusammensetzung Ihres Fuhrparks, die derzeitigen Einsatzzwecke und Nutzungsprofile der Fahrzeuge, aber auch Ihre betrieblichen Zielsetzungen, wie bspw. das Einbinden eigener erneuerbarer Erzeugungsanlagen wie Photovoltaikanlagen, maßgebliche Rollen.
Je größer und vielfältiger Ihr Fuhrpark ist, desto sinnvoller ist es, eine Fuhrparkanalyse durchzuführen. Das Nutzungsprofil Ihrer Fahrzeuge, d.h. wie oft, welche Strecken durchschnittlich, minimal und maximal je Fahrzeug zurückgelegt werden, ist hierfür eine maßgebliche Größe. Stehen schließlich die Anzahl und gewünschten Modelle von E-Fahrzeugen für Ihre Flotte fest, kann das Thema Ladeinfrastruktur geplant werden. Zielsetzungen, wie die Erzeugung von erneuerbarem Strom über bspw. Photvoltaikanlagen zur Versorgung Ihrer Flotte, sollten bei der Ausgestaltung der Ladeinfrastrukturlösung vorab mit berücksichtigt werden.

2. Fuhr­parkbestand und -zusammen­setzung

Um die Ist-Lage zu bewerten, sollten Sie sich im ersten Schritt die Zusammensetzung des eigenen Fuhrparks genau anschauen. Sind Sie bspw. ein Lieferdienst oder ein Handwerksbetrieb und verfügen über eine eher kleinere Flotte? Solche Fuhrparks kennzeichnet, dass es oftmals einheitliche Einsatzprofile gibt und überwiegend ein Fahrzeugtyp von allen Mitarbeitern gleichermaßen genutzt wird. Dann ist unser Tipp, dass Sie die Auswertung von Strecken und Fahrzeugauslastung anhand von Fahrtenbüchern oder mittels einer Trackingapp relativ einfach selbst durchführen können.

Anders verhält es sich bei großen Fuhrparks mit unterschiedlichen Fahrzeugen und Einsatzzwecken. Hier ist eine händische Auswertung extrem aufwendig und sollte daher softwaregestützt durchgeführt werden. Dafür eignen sich Fuhrparkanalysetools bzw. entsprechende Beratungsfirmen. Gern unterstützt Sie umschalten.de bei diesen umfangreichen Auswertungen. Sprechen Sie uns an.

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3. Einsatz- und Nutzungsprofil Ihrer Fahrzeuge

Als Ergebnis einer eigenen oder professionellen Fuhrparkanalyse erhalten Sie im ersten Schritt eine Übersicht über das Ist-Einsatzprofil Ihrer Fahrzeuge.

Dabei sind mehrere Faktoren je Fahrzeug von Bedeutung:

• die Auslastung (Ist das Fahrzeug pausenlos unterwegs oder gibt es längere/regelmäßige Standzeiten?),
• die durchschnittlich zurückgelegte Strecke,
• die längste zurückgelegte Strecke je Fahrzeug und
• die Häufigkeitsverteilung der Fahrten nach Streckenlänge.

Haben Sie das Fahrprofil Ihres Fuhrparks analysiert, muss im nächsten Schritt bewertet werden, ob und wie viele Fahrzeuge die gefahrenen Strecken auch als E-Fahrzeug zurücklegen könnten.

Elektrifizierung Unternehmen Beitragsgrafik Arten von E-Autos

4. Auswahl von E-Fahrzeugen

Bei der Auswahl geeigneter E-Fahrzeugmodelle sollten Sie deren technische Eckdaten heranziehen.

Die entscheidenden Parameter stellen dabei

  • die elektrische Reichweite des Fahrzeugs in km sowie
  • die maximale Ladeleistung des Fahrzeugs dar.

Die Reichweite entscheidet darüber, ob eine Fahrt mit oder ohne Ladepause auch durch ein Elektroauto umgesetzt werden kann. Die Ladeleistung kann herangezogen werden, um zu bewerten, ob und bzw. in wie weit ein E-Fahrzeug nach einer gewissen Standzeit wieder aufgeladen und für die nächste Fahrt einsatzbereit ist.

Für Firmenwagen, die häufig mehrere hundert Kilometer am Stück zurücklegen müssen, kann erwogen werden, auf einen Plug-in-Hybrid auszuweichen. Plug-InHybridfahrzeuge vereinen einen elektrischen Antrieb mit einem Verbrennungsmotor, sodass lange Ladestopps während einer Langstreckenfahrt entfallen. Zusätzlich sind sie jedoch auch extern zum Beispiel über Ladesäulen, und nicht wie reine Hybridfahrzeuge nur während der Fahrt, aufladbar.

Für regelmäßige Kurzstrecken unter 10 km gibt es noch weitere Optionen, die Sie bei der Elektrifizierung Ihrer Unternehmensflotte in Betracht ziehen sollten. Wenn Ihre Mitarbeiter häufig in einem überschaubaren Radius agieren, könnte auch der Einsatz von EBikes sinnvoll sein.

Wenn Ihre Priorität auf Nachhaltigkeit liegt und Ihre Mitarbeiter die kurzen Strecken innerhalb eines gut vernetzten Stadtgebiets zurücklegen müssen, kann ebenfalls die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs erwogen werden. Viele öffentliche Verkehrsmittel, wie Straßenbahnen, fahren rein elektrisch und auch zukünftig ist die Umstellung von Bussen auf Elektroantrieb bei vielen Verkehrsbetrieben geplant.

Haben Sie schließlich passende E-Fahrzeugmodelle ausgewählt, sollten Sie das bisherige Fahr- und Standverhalten je Fahrzeug mit den technischen Möglichkeiten potenzieller Elektrofahrzeuge abgleichen. Fuhrparkanalysetools nehmen Ihnen diese Arbeit durch die Verwendung verschiedener Szenarien mit unterschiedlichen elektrischen Reichweiten und Ladeleistungen von E-Fahrzeugen ab.

Bei dem Abgleich gibt es verschiedene mögliche Ergebnisse:

Ist-Fahrprofil je FahrzeugIst-Fahrprofil je FahrzeugIst-Fahrprofil je FahrzeugIst-Fahrprofil je Fahrzeug
SzenarienFahrten bis 10 kmFahrten, die durch ausgewählte
E-Fahrzeuge durchgeführt werden können
Fahrten, die durch ausgewählte
E-Fahrzeuge nicht durchgeführt werden können
Empfehlung
Szenario 1überwiegendxxWegfall oder Ersatz durch E-Bike
Szenario 2xüberwiegendxErsatz durch E-Fahrzeug
Szenario 3xxüberwiegendBeibehalten konventionelles Fahrzeug oder Ersatz durch Plug-In-Hybridfahrzeug
Szenario 4xüberwiegendwenigErsatz durch E-Fahrzeug, sofern Disposition möglich

Im ersten Szenario kann ein Wegfall des Fahrzeuges und Ersatz durch ein E-Bike oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel erwogen werden.

Im zweiten Szenario kann das bisherige Fahrzeug bedenkenlos durch eines mit E-Antrieb ausgetauscht werden, wohingegen im dritten Szenario ein konventionelles Fahrzeug erhalten oder maximal durch ein Plug-In-Hybridfahrzeug ersetzt werden sollte.

Im letzten Szenario gilt es abzuwägen, ob die Auslastung des Fuhrparks es hergibt, die für ein E-Fahrzeug kritischen Fahrten umzudisponieren. Dabei müssen andere konventionelle oder Plug-In-Hybridfahrzeuge die betreffende Fahrt übernehmen. Um solche Dispositionseffekte einzubeziehen, ist die Nutzung eines Fuhrparkanalysetools besonders empfehlenswert.

5. Lade­­infrastruktur

Haben Sie die Anzahl und Art benötigter E-Fahrzeuge ermittelt, müssen Sie nun entscheiden, wie diese geladen werden sollen. Dafür ist wieder das Einsatzprofil der Fahrzeuge entscheidend.

Es gibt je nach Anwendungsfall drei mögliche Varianten für das Laden der E-Fahrzeuge:

  • Schnellladeinfrastruktur
  • Normalladeinfrastruktur
  • Ladepunkte für Arbeitnehmer zu Hause

5.1 Schnell­lade­infrastruktur

Sind Ihre Fahrzeuge ständig und über 24 h hinweg im Einsatz, müssen schnell große Ladeleistungen erbracht werden, um die Fahrzeuge, die gerade benötigt werden, einsatzbereit zu halten.

Dabei kann entweder erwogen werden, einige schnellladefähige DC-Ladepunkte am Standort installieren zu lassen oder alternativ, wie es beispielsweise bei E-Taxis üblich ist, auf öffentliche Schnellladeinfrastruktur zurückzugreifen. Natürlich sind nicht alle Regionen gleich gut vernetzt. Im ländlichen Raum gibt es weitaus weniger Möglichkeiten, das Elektrofahrzeug zu laden, als in Großstädten. Um als Unternehmen abgesichert zu sein, sollte das regionale Ladenetz daher in die Entscheidung für oder gegen eigene DC-Ladeinfrastruktur herangezogen werden.

Hier eine Karte der öffentlichen Ladepunkte (Stand 1.5.2021):

5.2 Normal­lade­infrastruktur

Stehen Ihre Fahrzeuge tagsüber über längere und schließlich über Nacht über einen langen Zeitraum zum Laden am Firmenstandort, dann ist es am komfortabelsten, für jedes E-Fahrzeug einen eigenen privaten Normalladepunkt, d.h. mit bis zu 22 kW AC-Ladeleistung, in Form einer Wallbox oder Ladesäule vorzuhalten.

Die Ladeleistung je Ladepunkt sollten Sie dabei

  • von der maximalen Ladeleistung des Fahrzeuges,
  • der verfügbaren Ladezeit sowie
  • von der insgesamt am Standort maximal vorhandenen Leistung abhängig machen.

Laden alle Fahrzeuge gleichzeitig, wird in der Regel ein Lastmanagementsystem eingesetzt, das die maximal am Standort verfügbare Leistung entweder gleichmäßig auf alle Fahrzeuge verteilt oder einem Elektrofahrzeug, das beispielsweise am häufigsten in Benutzung ist, den Vorzug gibt.
Beim Laden über Nacht genügen im Durchschnitt schon geringe Ladeleistungen je Fahrzeug, um den Akku eines Elektroautos wieder vollständig aufzuladen. So benötigt ein vollständig entladenes E-Fahrzeug mit einer 32 kWh-Batterie bei einem Laden über 12 Stunden zum Beispiel eine durchschnittliche Leistung von 2,7 kW.

Ein entsprechendes Förderprogramm für den Aufbau betrieblicher Ladeinfrastruktur für Flotten und das Mitarbeiterladen ist für den Sommer 2021 angekündigt. Sobald das Förderprogramm veröffentlich wurde, informieren wir Sie wieder auf umschalten.de.

5.3 Ladepunkte für Arbeitnehmer zu Hause

Wenn Ihre Mitarbeiter den elektrischen Dienstwagen auch als Privatfahrzeug nutzen, ist die Installation von Ladetechnik beim Arbeitnehmer zu Hause zu erwägen. Wird eine Installation einer Wallbox von Ihnen als Arbeitgeber vorgenommen, kann sie dem Arbeitnehmer unentgeltlich überlassen werden. Die Überlassung gilt als geldwerter Vorteil, ist jedoch steuerbefreit bis mindestens 2030.

Bezüglich der Erstattung des Ladestromes gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Welche genau, können Sie in unserem Artikel über Steuervorteile für Ihren Elektrodienstwagen nachlesen.

5.4 Einbindung von Eigenerzeugungs­anlagen

Soll Ihre betriebliche Ladeinfrastruktur darüber hinaus über eigenerzeugten erneuerbaren Strom, wie bspw. aus Photovoltaikanlagen versorgt werden, wird die Planung und Errichtung etwas komplizierter. In diesem Fall empfehlen wir das Erstellen eines Standortkonzeptes und unbedingt den Austausch mit Ihrem örtlichen Verteilnetzbetreiber zu suchen. Zudem sollte zur Bewertung der EEG*- und Stromsteuerthematik ein Energie- und oder Steuerberater hinzugezogen werden. *Erneuerbare Energien Gesetz

6. Fazit

Bei der teilweisen oder kompletten Elektrifizierung Ihrer Unternehmensflotte sind viele Parameter im Blick zu behalten. Doch der Aufwand lohnt sich, denn Förderprojekte wie insbesondere der Umweltbonus für die Anschaffung von E-Fahrzeugen, die angekündigte Förderung betrieblicher Ladeinfrastruktur für den Sommer 2021 oder auch Steuervorteile für E-Fahrzeuge senken die Hürden für einen Umstieg enorm. Und im Sinne der Nachhaltigkeit lohnt sich eine Umstellung Ihrer Flotte allemal.

Gern können Sie auch hier unser Whitepaper zum Thema herunterladen oder Ihre Fragen direkt in einer Mail an frag@umschalten.de schicken.