Mit dem Elektroauto ins Ausland: Auf Dienstreise nach Polen und Tschechien

Viele Unternehmen und Kommunen in Ostsachsen und der Lausitz haben ihre Flotte bereits ganz oder teilweise auf Elektroautos umgestellt. Dienstwege lassen sich damit in dieser Region bestens erledigen. Aber wie sieht es mit Fahrten ins benachbarte Ausland aus? Generell steht Reisen nach Polen oder Tschechien mit Elektrofahrzeugen nichts im Wege – wenn die Reise gut geplant ist.

Vor der Dienstreise mit einem Elektroauto: Planung ist alles

Auch in Polen und Tschechien werden immer mehr Ladesäulen installiert. So dicht wie in Deutschland ist das Netz jedoch noch nicht. Vor allem abseits der großen Ballungsräume findet man noch sehr wenige Ladepunkte. Damit die Dienstreise reibungslos verläuft, sollten Sie daher gut vorbereitet sein. Wählen Sie eine Route, die entlang möglichst vieler Ladestationen verläuft. Daneben ist es nicht nur wichtig zu wissen, wo sich die E-Tankstellen befinden, sondern sich auch vor der Abfahrt über die Bezahlmöglichkeiten zu erkundigen.

Eine große Hilfe sind Karten- und Navigationssysteme. Neben Google Maps, das zunehmend Ladestationen auflistet, gibt es auch einen speziellen Routenplaner für Elektroautos auf Going Electric. Hier lässt sich zunächst eingeben, welches Auto man fährt und welchen Stecker man nutzt. Aus diesen Daten wird dann die individuelle Route errechnet. Informationen zur Registrierung und zu Roaming-Möglichkeiten sind hier außerdem hinterlegt. Auch die Routenplaner von ADAC und Michelin haben mittlerweile eine Funktion zur Anzeige von Ladesäulen an der gewählten Strecke integriert. Für unterwegs gibt es zudem diverse Apps, die via Standortermittlung hilfreich bei der Suche nach Lademöglichkeiten sind.

Unterwegs von der Lausitz nach Polen

Polen hat aktuell rund 840 öffentliche Ladepunkte für Elektrofahrzeuge. Damit rangiert das Land im europäischen Vergleich eher auf den hinteren Plätzen. Im Vergleich: In Deutschland gibt es rund 27.460 öffentliche Ladepunkte. Bis 2020 will Polen mindestens 6.000 Normallader und 400 Schnellladestationen öffentlich zugänglich machen.

Zu den derzeit größten Betreibern von öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur für Elektroautos gehört GreenWay Polska. Laut eigenen Aussagen können Nutzer alle 85 bis 100 Kilometer auf Ladestationen zugreifen. GreenWay-Stationen befinden sich hauptsächlich an den Hauptverkehrsadern wie Autobahnen und Schnellstraßen. Angeschlossen werden können Typ 2-Stecker, Combo-Stecker (Combined Charging System CCS) sowie CHAdeMO-Stecker.

GreenWay-Stationen in der Nähe zur Lausitz finden sich in Zgorzelec (A 4), Bolesławiec (A 18), Trzebiel (A 18) und in Legnica (A 4, S 3). Um den Ladedienst des GreenWay-Netzwerks zu nutzen, müssen sich Fahrer vorab kostenlos registrieren und ihre Zahlungs- oder Kreditkartendaten angeben. Wer eine Reise plant, sollte sich rechtzeitig darum kümmern, da eine RFID-Karte benötigt wird. Die Auslieferung der RFID-Karte, die zum Starten des Ladevorgangs dient, kann ins Ausland nach der Registrierung bis zu zwei Wochen dauern. Auch eine Registrierung für eine einmalige Nutzung ist möglich.

Zu den Roaming-Partnern von GreenWay gehören zudem NewMotion und SMATRICS. Jedoch sollten sich Fahrer vorab beim Kundenservice von GreenWay informieren, ob dieser Service zur Verfügung steht.

Laden an einer GreenWay-Station in Polen - umschalten

Die Aktivierung eines Ladevorgangs an einer GreenWay-Ladestation in Polen.
Foto: GreenWay Polska

Mit dem Stromer nach Tschechien

Wer nach Tschechien startet, sollte sich ebenfalls rechtzeitig über Lade- und Bezahlmöglichkeiten in-formieren. Derzeit gibt es dort rund 850 öffentliche Ladepunkte, bis 2020 soll die Zahl auf 1.300 ansteigen. Besonders die Stromversorger engagieren sich für den Aufbau von Ladeinfrastruktur. Zusätzlich investieren auch immer mehr Händler und Restaurants in Ladesäulen.

In Tschechien können ebenfalls der Typ 2-Stecker (auch Mennekes-Stecker genannt), Combo-Stecker (Combined Charging System CCS) sowie der CHAdeMO-Stecker angeschlossen werden.

Das tschechische Energieunternehmen ČEZ Group betreibt aktuell etwa 110 Ladestationen im Land, davon 59 Schnellladestationen. Auf dem Internetportal können sich Fahrer einen Überblick über deren Ladestationen verschaffen und erhalten wichtige Informationen zu Anschlussmöglichkeiten. Jede Schnellladestation des Unternehmens ist mit Gleichstrom-Anschlüssen beziehungsweise CHAdeMO- und CCS-Ladestandards ausgestattet, die maximale Leistung beträgt 50 kW. Weiterhin gibt es dort eine Wechselstrom-Ladebuchse mit Typ 2-Stecker und einer maximalen Leistung von 22 kW.

Laden in Tschechien - umschalten

Eine Schnellladestation der ČEZ Group. Die Technik stammt von ABB.
Foto: ABB

Schnellladestationen des Unternehmens in der Nähe zu Deutschland finden sich nahe der Hauptverkehrsadern unter anderem in Liberec (R 35), Stráž nad Nisou (E 442), Jablonec nad Nisou (Silnice I/14), Děčín (Silnice I/62), Trmice (D 8), Teplice (Silnice I/8) und Bílina (Silnice I/8).

Für die Nutzung ist ebenfalls eine Registrierung nötig. Die Unterlagen können auf der Internetseite heruntergeladen und dann per E-Mail verschickt werden. Im Anschluss erhält der Nutzer innerhalb von 10 Arbeitstagen die RFID-Karte per Post. Damit ist unbegrenztes Laden im Rahmen einer Pauschale von 450 Tschechische Kronen pro Monat (zuzüglich Mehrwertsteuer) möglich. Komfortabler ist für Reisende jedoch die mobile Anwendung Polyfazer Direct. Darüber können Nutzer an den ČEZ-Ladestationen pro Minute bezahlen.

Praktisch ist auch das Online-Portal EVMAPA. Die Plattform bietet Anwendern eine interaktive Karte zahlreicher Ladestationen verschiedener Betreiber – darunter auch E.ON Ceska – in der Tschechischen Republik. Nutzer legen sich einen Account an und laden per Kreditkarte oder Banküberweisung ihr Konto auf. Über Telefon, QR-Code oder die EVMAPA-Website können Nutzer die Ladesäulen dann bedienen.

Fazit: Europaweit unterwegs mit dem Elektroauto

In Polen und Tschechien sind Dienstreisen mit einem Elektroauto kein Problem mehr. Elektromobilität ist auch bei unseren Nachbarn auf dem Vormarsch und die Ladeinfrastruktur unterscheidet sich technisch kaum von der hiesigen. Ein wenig Planung im Vorfeld gehört dennoch dazu. Denn aktuell ist das Netz an Ladepunkten noch nicht so dicht wie in Deutschland. Außerdem ist es ratsam, sich spätestens zwei Wochen im Vorfeld der ersten Reise für das entsprechende Bezahlsystem zu registrieren. Zur Sicherheit sollte nicht auf das 230-V-Notladekabel verzichtet werden. So ist Ihr Elektroauto nach einigen Stunden oder bei mehrtägigen Reisen über Nacht wieder voll aufgeladen und startklar für die nächste Etappe.

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