Entspannt und zeitsparend durch Dresden – mit dem MOBIpunkt

Eine für Alle und Alles an einer Stelle: An 28 Standorten entstehen bis 2022 in Dresden und Umgebung Mobilitätspunkte, an denen öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), Carsharing, Fahrradverleih und Elektroladesäulen verbunden werden.

Am Pirnaischen Platz ist es seit wenigen Wochen noch leichter, entspannt, zeitsparend und umweltschonend in Dresden unterwegs zu sein. Der erste MOBIpunkt („Mobilitätspunkt“) ist Teil der neuen Angebotswelt „MOBI“ der Dresdner Verkehrsbetriebe, die den Individualverkehr besser verknüpfen soll. Ziel sei es, den Dresdnern „multimobile“ Möglichkeiten zu geben und so den Verzicht auf die private Nutzung von Autos zu erleichtern. Umschalten.de stellt die Hintergründe und Pläne vor, bei denen die Landeshauptstadt Dresden, die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB), DREWAG und drei weitere Unternehmen zusammenarbeiten. Außerdem haben wir uns umgehört, wie die Bürger den Verkehr in der Stadt empfinden und welche Chancen sie in den Knotenpunkten, den so genannten MOBI-Punkten sehen.

Das große Ziel: Fahrverbote vermeiden

Der Hintergrund der umfangreichen Einrichtung von 28 MOBIpunkten bis 2022 ist das Ziel, die Treibhausgase und insbesondere die CO2-Emissionen bis 2030 um 40 Prozent zu reduzieren. Laut des Dresdner Klimaschutzstabes verursacht allein der Mobilitätsbereich in Dresden rund 30 Prozent aller Stickstoffdioxid-Emissionen. Die Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen will trotz Überschreitung der Grenzwerte kein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge. Damit das auch klappt, arbeiten sie und Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain mit den Mobilitäts- und Energiedienstleistern der Stadt eng zusammen.

So sieht der Verkehr in Dresden aus

Dresden boomt auch, aber nicht nur, auf der Straße. Im Stadtgebiet ist der Autoverkehr in den letzten 20 Jahren um knapp 20 Prozent gestiegen, der LKW-Verkehr wurde halbiert. Zum Vergleich: In einem ähnlichen Zeitraum wuchs die Einwohnerzahl um knapp 15 Prozent. Hinzu kommen die knapp 2,1 Millionen Ankünfte in Dresdner Gastbetrieben im Jahr 2016 – eine Steigerung von 25 Prozent allein seit 2010. Der Verkehr passt sich an und die Bürger finden neue Wege, um an ihr Ziel zu kommen. So überquerten 2016 zwischen 6 und 20 Uhr durchschnittlich 28.200 Radfahrer die Elbe, was einer Steigerung von 40 Prozent seit 2010 entspricht. Im selben Jahr fuhren 157,1 Millionen Fahrgäste mit der DVB, auch hier wuchs die Anzahl der Gäste nach Jahren der Stagnation wieder. Derzeit teilen sich 20.000 Dresdner 250 verfügbare Carsharing-Fahrzeuge – auf ein Auto kommen somit 80 Besitzer. Die Bereitschaft, neue Wege zu gehen, ist in Dresden groß. Die MOBIpunkte sind eine Antwort darauf und sollen laut Baubürgermeister Schmidt-Lamontain Lärm, Platzbedarf und Luftverschmutzung verringern.

Wie ist so ein MOBIpunkt aufgebaut?

Damit Sharing-Modelle und E-Mobilität noch attraktiver werden, sollen die verstreuten Angebote an den MOBIpunkten gebündelt werden. Am Pilot-Standort am Pirnaischen Platz finden die Dresdner Straßenbahn- und Bushaltestellen, zwölf sz-Bikes zur Ausleihe, vier Fahrzeuge des Carsharing-Anbieters teilAuto sowie zwei öffentliche E-Ladepunkte von DREWAG und sogar eine kostenlose Luftpumpe. Mit dem Konzept der Mobilitätspunkte ist es möglich, eine Verbindung von A nach B innerhalb Dresdens neu zu denken. 2019 wird dazu eine App auf den Markt kommen, in der alle Angebote integriert und intelligent verknüpft sein werden. So können Sie multimobil den schnellsten und bequemsten Weg finden, um an Ihr Ziel zu kommen. Den nächsten Stau umfahren Sie mit der Ausleihe eines E-Bikes. Den Einkauf für die Firmenfeier erledigt Ihr Mitarbeiter mit einem ausgeliehenen E-Auto. Dank der Mobilitätspunkte und durch die App wird der individuelle Planungsaufwand für die Mobilität abnehmen und Umweltschutz komfortabel.

Auch vor der Veröffentlichung dieser App können die verschiedenen Dienste bereits genutzt werden. Das Bikesharing funktioniert bequem über die nextbike-App: Guthaben aufladen, Nummer des gewünschten Fahrrads in der App eingeben und mit Schlosscode freischalten. Für das Carsharing registrieren Sie sich auf www.teilAuto.net und nutzen nach erfolgreicher Verifizierung ganz einfach die App zum Buchen eines Verbrenner- oder Elektroautos am MOBIpunkt. DVB-Kunden erhalten zusätzliche Rabatte zwischen 33 und 50 Prozent. Wie das Aufladen eines E-Autos an den DREWAG-Ladesäulen funktioniert, haben wir hier erläutert.

 

1 Ladekriterien2 E-Ladeausstattung für3 Abstellplätze4 weitere Ausstattung
Zentrale LageElektr. Leihräderöffentliche RadständerGepäckboxen
Multifunktionales UmfeldPrivate AutosRadverleihRadservice
ÖV*-Takt: 10 Min. CarsharingKfz Stellplätz zum LadenStandortinfo
200m zur HaltestelleE-TaxisCarsharing StellplätzeWegweiser für ÖV*
E-Taxi StellplätzeWegweiser für Fußgänger
QR Codierung

*Öffentlicher Verkehr

Das denken die Dresdner über den MOBIpunkt

„Privat setzen meine Frau und ich komplett auf Carsharing. Wir sind glückliche teilAuto-Nutzer. Mittels ÖPNV bzw. Bikesharing zur nächsten teilAuto-Station zu kommen, ist für uns nichts Besonderes mehr“, erklärt uns Christoph Kloß, Vater und freiberuflicher Berater. Mit der DVB-Monatskarte, der teilAuto- sowie sz-Bike-Mitgliedschaft käme die Familie wesentlich günstiger und schone die Umwelt. Die Idee der multimobilen Verknüpfung überzeugt ihn: „Ich finde das Prinzip der Park&Ride-Plätze sollte durch diese Art von MOBIpunkten ersetzt bzw. ergänzt werden, damit es den Menschen deutlich einfacher fällt, auf das private Fahrzeug zu verzichten.“ Der Kommunikationsexperte erzählt zudem, dass sein ehemaliger Arbeitgeber komplett auf Carsharing als „Firmenwagen“ setzte.

Marketingmanager und Musikjournalist Florian Kneffel wohnt in der Neustadt und empfindet ein Auto eher als Be- statt Entlastung. „Der ÖPNV hat in Dresden ja zudem eine hervorragende Qualität. Fast jedes Gebiet in der Stadt ist gut angebunden und auch nachts kommt man noch gut von A nach B“, meint der Nahverkehrs-Fan. Von den MOBIpunkten wünscht er sich noch viele mehr, denn diese würden die Flexibilität weiter erhöhen und seien komfortabel. Nur bei den Sharing-Modellen sieht er noch nach Platz nach oben.

Die praktischen Vorteile des MOBIpunkts

Die Mobilität Ihrer Mitarbeiter kann durch ein Netz an MOBIpunkten enorm verbessert werden. So können Arbeitnehmer und Unternehmen in Zukunft auf ein eigenes Auto leichter verzichten. Der Weg zum nächsten Leih-Auto wird mit diesem Konzept kürzer und ist so leichter in den Alltag integrierbar. Termine innerhalb der Stadt können Sie bequem und ohne große Anstrengung mit dem E-Bike wahrnehmen. Der Weg zur Arbeit wird dank ÖPNV-Verknüpfung zur Qualitätszeit, in der Sie E-Mails beantworten oder einfach mal ein gutes Buch lesen können – ganz ohne den Stress auf den Straßen. Insofern Sie bereits ein E-Auto besitzen und eher am Rande von Dresden wohnen, werden die MOBIpunkte es Ihnen ermöglichen, ähnlich eines „Park&Ride“ Ihr weiteres Fortbewegungsmittel ganz einfach frei zu wählen. So kommen Sie bequem und nach Ihren individuellen Bedürfnissen in die Innenstadt. Ihr Auto lädt in dieser Zeit und wartet auf Ihre Rückkehr, gerne auch an den über 200 weiteren Ladepunkten, die bis 2020 im Stadtgebiet entstehen.

Fazit und Ausblick

Die Mobilitätspunkte werden nicht alle Herausforderungen bewältigen, die der Verkehr in einer Großstadt mit sich bringt. Sie sind jedoch ein wichtiger Schritt und ein spannendes Konzept, das sich auszuprobieren lohnt. In Zukunft wird es sehr viel einfacher, auf ein eigenes Auto zu verzichten und Elektromobilität unkompliziert zu testen. Nach dem ersten Standort am Pirnaischen Platz werden als nächstes fünf weitere Pilot-Punkte durch die DVB eingerichtet: Bahnhof Mitte, Altpieschen, P+R Prohlis, Fetscherplatz und Wasaplatz. In Radeberg plant die VVO ebenso einen MOBIpunkt. Insgesamt sollen allein im Jahr 2019 ca. 15 MOBIpunkte in Dresden entstehen. Die beteiligten Akteure sind von der Idee auf jeden Fall überzeugt. Die Marke soll deshalb weiter ausgebaut werden: Bereits 2019 wird dann aus sz-Bike MOBIbike.

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