EVUM aCar: Das Nutzfahrzeug als E-Auto

Ein Pritschenwagen mit Elektromotor? EVUM Motors startete als ein Forschungsprojekt für die mobile Entwicklungsarbeit in Afrika und avancierte in den vergangenen drei Jahren zu einem Innovator der E-Auto-Branche: Mit ihrem aCar, das bereits 2020 in Serie gehen soll, wird erstmals ein rein elektrisch angetriebenes Nutzfahrzeug auf dem deutschen Markt erscheinen. Wir haben Stefan Dietz, Head of Sales & Marketing, während der aktuellen Finanzierungsrunde zum Gespräch eingeladen.

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umschalten.de: Herr Dietz, derzeit steckt EVUM in der Finanzierungsrunde für den Start der Serienproduktion. Werden Sie Ihren Plan einhalten? 

Stefan Dietz, EVUM Motors: Wir sind bereits im Gespräch mit Finanzierungspartnern und erhalten sehr positive Signale. Derzeit planen wir fest mit dem Produktionsstart der ersten 1.000 Exemplare ab April 2020 und zeitgleich die Zulassung als Fahrzeug der Klasse N1.

Das aCar ist die Nische innerhalb einer Nische: Der Anteil von Elektroautos in Deutschland ist nach wie vor gering und statt eines PKWs oder eines Transporters präsentieren Sie etwas völlig Neues. Warum? 

Wir sind davon überzeugt, dass sich der Markt für Elektrofahrzeuge positiv entwickelt und der Anteil weiter steigen wird. Zudem glauben wir an unser Produkt und sehen viele praktische Einsatzmöglichkeiten.

Erzählen Sie uns mehr zum aCar.

Das aCar ist ein nachhaltiges und modularisierbares Nutzfahrzeug mit rein elektrischem Antrieb. Das 4 Meter lange und 1,5 Meter breite Fahrzeug ist extrem flexibel und kann mit den verschiedensten Aufbauten ausgestattet werden: Mit einer einfachen Pritsche, als Kipper, Kastenwagen oder mit einem Planenaufsatz. Auch andere Aufbauten sind denkbar und können individuell geplant werden, bspw. Wassertanks oder Streuaufsätze für den Winterdienst.

Winterdienst ist ein gutes Stichwort. Sie präsentieren das aCar als Fahrzeug für kommunale Dienstleistungen. Wird es im Winter nicht ein wenig kalt darin?

Ursprünglich war das aCar gar nicht für den europäischen Markt bestimmt, sondern startete 2013 als Forschungsprojekt für Nutzfahrzeuge auf dem afrikanischen Kontinent. Wir sehen jedoch in Deutschland einen Markt für das Fahrzeug, sodass wir ab der Paketgröße L eine Heizung im Fahrzeug anbieten. Wer das Fahrzeug aber beispielsweise nicht im Winter einsetzen will oder kann, wie beispielsweise Gärtnereien, kann auf diese Option auch verzichten.

Grafik Austattung - E-Auto als Nutzfahrzeug - umschalten.de

Die Pakete sind tatsächlich sehr unterschiedlich. Erst ab dem XL-Paket ist eine größere Batterie mit 200 Kilometern Reichweite und ein Solarpanel auf dem Dach inklusive. Wieso?

Für viele Einsatzzwecke, die wir sehen und kalkuliert haben, sind 100 Kilometer Reichweite völlig ausreichend. Denken wir beispielsweise an die Pflege von Parkanlagen, wie der Anlage um Sanssouci in Potsdam. Zwar ist die Fläche groß, die zurückgelegten Distanzen sind es jedoch eher nicht. Ein Gärtner wird stets nur eine kurze Strecke zurücklegen und dann beispielsweise weiter eine Hecke kürzen. So entstehen im Laufe des Tages nicht so viele Kilometer, wie man vielleicht glaubt. Ab Paketgröße L ist zudem eine externe Steckdose inklusive, an der Werkzeuge angeschlossen werden können, und außerdem ein Starkstrom-Anschluss.

In der einfachen Variante können die Fahrzeuge also nur an einer Haushaltssteckdose geladen werden?

Ja, das ist richtig. Viele Nutzfahrzeuge sind jedoch nur tagsüber und in einem kleinen Radius im Einsatz, sodass bis zu 16 Stunden Ladezeit zur Verfügung stehen. Die Batterie des aCar lädt an einer Haushaltssteckdose in ca. 8 bis 10 Stunden wieder auf.

Der kalkulierte kleine Radius ist vermutlich auch der Grund für die niedrige Maximalgeschwindigkeit von 70 km/h?

70 km/h sind für die Einsatzzwecke, die wir uns vorstellen, völlig ausreichend. In der Stadt dürfen Sie in der Regel sowieso nicht schneller fahren und auf dem Land werden, beispielsweise zwischen einzelnen Anbaufeldern, nur kurze Strecken auf Landstraßen, wenn überhaupt, zurückgelegt. Wichtiger ist hier die Geländegängigkeit des Fahrzeugs, das bedeutet eine erhöhte Bodenfreiheit und der Allradantrieb. Beim Einsatz abseits der Straßen, bei Steigungen und Unebenheiten, ist das von höherem Wert als 130 fahren zu können.

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Die Werte des aCar klingen sehr überzeugend, aber Sie schreiben sich auch Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung auf die Fahnen. Wie geht das überhaupt bei einem Elektro-Nutzfahrzeug?

Die Idee, die EVUM von Anfang verfolgt hat, ist es, die Fahrzeuge nahe dem Markt herzustellen, in dem sie gebraucht und verkauft werden. So können beispielsweise Emissionen für den Transport fertiger Fahrzeuge reduziert werden, außerdem stützt man die sozialen und wirtschaftlichen Strukturen vor Ort. Für den Marktstart in Deutschland wird die erste Vorserie bei einem unserer Teilhaber aus der ersten Finanzierungsrunde die Fahrzeuge in Bayern herstellen.