E-Autos im Winter: Fahren mit Handschuhen und Mütze?

„Da kannst du auch mit dem Bus fahren!“ E-Autofahrer hören solche Sprüche im Winter zur Genüge. Zu langsam und ohne ordentliche Temperierung käme man voran, behaupten die Kritiker der Elektromobilität. Doch stimmt das überhaupt?

E-Fahrer: Der langsame Typ mit der Bommelmütze hinterm Steuer?

Wer mit dem E-Auto unterwegs ist, solle nur 90 bis 100 km/h auf Langstrecken fahren, um an Reichweite nicht einzubüßen. Überland- oder gar Autobahnfahrten sollten angeblich erst gar nicht angetreten werden, um nicht als Verkehrshindernis zu gelten. Zudem ist oft zu hören, dass man ohne dicke Jacke, Mütze und Handschuhe in kein E-Auto im Winter einsteigen solle, da die energieintensive Nutzung der Klimaanlage dem Akku zusätzlich dramatisch „einheize“.

Dass gerade im Schnee- und Eisland Norwegen sehr viel mehr E-Fahrzeuge verkauft werden als in Deutschland, sollte den Kritikern zu denken geben. Längst sind bei Fahrzeugen neuerer Generationen Gegenstrategien vorhanden, um ohne Frösteln eine gute Reichweite zu erzielen. Fakt ist aber auch: Ganz grundlos gibt es die Vorurteile nicht.

Woher kommt die geringere Reichweite im Winter?

Viele kennen das: Im Winter steigen die Energiekosten, was hauptsächlich auf das Heizen zurückzuführen ist. So verhält es sich auch beim Auto. Der Verbrenner verbraucht mehr Benzin oder Diesel und steht deshalb häufiger an der Tankstelle. Ein E-Auto muss die Wärme unterwegs in der Regel aus seiner Akku-Leistung beziehen, was zu einer schnelleren Entladung führt. Die konkreten Auswirkungen unterscheiden sich je nach Modell – doch im Schnitt kann man mit ca. ein Drittel geringeren Reichweite rechnen.

Den zweiten Hauptgrund für dieses Phänomen kennt man vom eigenen Handy: Akkus reduzieren ihre Leistungsfähigkeit bei Kälte. Es ist also richtig: Elektroautos fahren im Winter häufig weniger weit als bei wärmeren Temperaturen. Doch so extrem wie bei früheren E-Modellen fallen die Defizite nicht mehr aus, im Gegenteil: Die Fahrzeuge entwickeln sich weiter – und frieren muss schon lange niemand mehr.

Geschickt laden, clever fahren – Akku auch im Winter sparen!

Moderne Elektroautos können – ähnlich einer Standheizung, wie man sie bei Verbrennern kennt – via App oder Autoschlüssel vorgeheizt werden. Hängt das Fahrzeug dabei am Ladekabel, kommt der Strom fürs Aufheizen nicht aus der Batterie, sondern aus dem Netz. Das kommt dem Akku gleich doppelt zu Gute, da dieser bei Wärme schneller und effektiver laden kann. Eine Garage ist zu Hause eine weitere Absicherung gegen einen kalten Fahrzeugraum und geringere Akkuleistungen. Um den Akkustand im Laufe der Fahrt durch übermäßiges Heizen nicht zu stark zu belasten, steigen findige Fahrer zudem auf die intensive Nutzung von Sitz- und Lenkradheizung um. So fühlt man sich auch bei niedrigeren Innenraumtemperatur angenehm warm und schmälert den Reichweitenverlust.

Eine weitere Möglichkeit ist die Nutzung einer Wärmepumpe, die sich mit dem Heizsystem des Fahrzeugs kombinieren lässt. Viele Hersteller bieten dies mittlerweile an – einige noch gegen Aufpreis, bei anderen ist die Wärmepumpe schon integriert. Laut Herstellerangaben kann sich die Reichweite so um mehr als 30 Prozent erhöhen, womit sich die kältebedingten Defizite zu einem Großteil kompensieren lassen.

Fazit: Vorurteilen praktisch begegnen!

Das Fazit ist: Ja, Elektromobilisten müssen im Winter bei den Themen „Wärme“ und „Reichweite“ ein wenig umdenken. Doch die neue Generation von E-Autos bekämpft diese Kinderkrankheiten relativ erfolgreich – und wenn man ein paar Tipps berücksichtigt, fallen die negativen Seiten kaum noch ins Gewicht. Mütze und Handschuhe können so auch im E-Auto im Handschuhfach bleiben.

 

 

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